Eine Woche vor ihrem Aufbruch luden wir einige Freunde aus der Umgebung ein.
Nach dem wir gut gegessen haben wurde Damchoe-la angefragt eine Geschichte aus der Vinaya zu erzählen, da sie mit vielen Geschichten vertraut ist durch ihre Einlese- und Übersetzungsarbeit für die Doktorarbeit.
Eine “freie” Kurz- version der Geschichte der “vier har- monischen Freunde” moechte ich gerne mit euch teilen.
Als Buddha gefragt wurde, nach welchen Kriterien die Hierarchie in den monastischen Gemeinschaften gebildet werden sollte, offerierte er folgende Geschichte:
„Einst lebten ein Rebhuhn, ein Hase, ein Affe und ein Elefant in einem Wald zusammen. Ihr Streben nach Harmonie erweckte auf natürliche Weise den Wunsch, dass sie sich gerne um die Jüngeren kümmern und den älteren Respekt zeigen wollen.
Der Affe antwortete: “Als ich hier ankam, hatte dieser Baum die gleiche Größe wie ich.” Da meldete sich der Hase: “Als ich hier ankam, hatte dieser Baum zwei Blätter und ich konnte den Tau von diesen Blättern lecken.” Da sprach das Rebhuhn: “Als ich hier ankam, pflückte ich eine Frucht vom Baum dort drüben. Als ich zum nächsten Baum flog, fiel ein Samen der Frucht hier auf die Erde. Dieser Baum, von dem ihr alle sprecht, wuchs aus diesem Samen.”
Nun war alles klar; das Rebhuhn war das älteste, dann der Hase, der Affe und der Elefant war der Jüngste. Die vier Freunde lebten nun nach dieser Hierarchie. Das Rebhuhn als Ältestes übernahm Verantwortung für das Training und Wohlbefinden der drei Jüngeren und wurde in wichtigen Entscheidungen stets um Rat gefragt. Jedes der Jüngeren zeigte dem älteren Respekt, indem es dem Älteren diente und die Ratschläge und das Training vom älteren akzeptierte.
Nun lebten die vier Freunde in Frieden und Harmonie, die sich im ganzen Wald ja sogar im ganzen Königreich ausdehnte. Als das Land auf einmal so florierte, war sich der König sicher, dass dies aufgrund seiner Verdienste geschieht.
So machte sich dir Koenig, mit seinem ganzen Gefolge auf den Weg, um den vier Freunden Respekt zu zeigen, ihnen die herrlichsten Gaben darzubringen und von ihnen zu lernen, wie durch ein Leben in Frieden, Ethik und Harmonie ein ganzes Reich profitieren kann.“
So lauschten wir alle voller Freude dieser wunderbaren Geschichte von Damchoe-la und bei diesen Worten des Buddhas wuchs der Wunsch, dass sich auch von den westlichen monastischen Gemeinschaften durch ein Leben in Ethik, Respekt, Verantwortung und Training Harmonie zu allen Wesen nah und fern ausbreiten kann.