Donnerstag, 18. August 2016

Praxis, Unterweisungen und kraftvolle Präsenz

Es war nicht einfach, diesen ruhigen am Waldrand gelegenen und von spiritueller Praxis durch- tränkten Ort zu verlassen… doch auch hier scheint Vergänglichkeit keine Ausnahme zu sein und so machten Nangpel und ich uns auf die Reise nach Spanien- welche wir mit grosser Kuriosität antraten.
Nach wie vor klingt die Präsenz dieser sehr kraftvolle Zeit nach welche wir in der Nähe dieses grossen und authentischen Meisters, Khenpo Karthar Rinpoche, verbringen durften.
Eine Woche lang erhielten wir gemeinsam mit 45 Prakti- zierenden aus verschiedenen Spanisch-sprechenden Ländern die Einweihung und Erklärungen zu der Praxis von Chö. Eine Praxis welche direkt an die Wurzel all unseres Leiden geht und gleichzeitig hilft unser Mitgefühl zu vertiefen und auszudehnen.
Da diese Praxis doch etwas komplexer ist, als was wir bis jetzt lernen durften, waren wir sehr dankbar, dass wir nach dem Retreat für Spanisch-sprechende in KTD nach Karmeling fahren durften um dort fast drei Wochen mit der Retreatmeisterin zu praktizieren.
In Karmeling werden die traditionellen drei Jahres Klausuren durchgeführt. Da das Nächste im Oktober beginnt, hatte die Retreat-Meisterin des Frauen-retreats etwas Zeit nicht nur während dem Retreat in KTD zu helfen jedoch danach auch mit uns Nonnen jeden Abend zu praktizieren und Fragen zu klären.
Jedoch nutzten wir diese wertvolle Zeit in Karmeling nicht nur um die Praxis zu vertiefen, auch nahmen wir 14 Unterweisungen auf, welche Damchö gab, um das zweite Studienjahr, welches wir im Internet anbieten, fertigzustellen. 14 Unterweisungen in denen wir lernen wie wir uns besser schauen können indem wir unsere Handlungen mit Körper, Rede und Geist  mehr unter die Lupe nehmen; stärken was heilsam ist und verringern was unheilsam ist und zu viel Leiden führt.

Im Sep- tember und Oktober werden Nangpel, Lodrö und ich uns dann um das didakti- sche Material kümmern, welches den Studentinnen und Studenten helfen wird, dass es nicht nur bei einem reinen zuhören bleibt, diese Information jedoch wirklich zu einer Transformation führen kann.

Dienstag, 12. Juli 2016

Ein Retreat über die Wut

Erfüllt bis in jede kleinste Zelle von der segensreichen Zeit in der Schweiz durfte ich diese Kraft gleich sehr hilfreich einsetzen: In einem einwöchigen Retreat über die Wut welches unser Gemeinschaft hier in Mexiko anbot.

Das Thema, das in diesem Retreat mit über 50 Leuten behandelt wurde richtete sich Hauptsächlich darauf seiner eignen Wut in all seinen Formen von Aversion, Frustration bis zu Zorn und Hass auf die Schliche zu kommen und zu beginnen sie zu transformieren. Wir lernten wie sich diese Emotion manifestiert, welche Geschichten und Gewohnheiten es sind die uns immer und immer wieder das Leben schwer machen.
In der „Meditation des ruhigen Verweilen“ lehrte Nangpel uns, wie man Gedanken welche die Wut begleiten aus Distanz betrachten kann und welche Geschichten sich zu formen beginnen bevor man wütend wird.
In zwei Unterweisungen pro Tag lehrte Damcho wie sich negative Emotionen rechtfertigen und uns dadurch so viele Probleme bescheren welche eigentlich nicht nötig sind. Damcho erläuterte uns im Weiteren, wie man verschiedene Zugänge schaffen kann um diese ungesunden Gewohnheiten aufzulösen. Emotionen sind nicht irrational wie viele meinen, betonte Damcho immer wieder und mit viel Geschick, Geschichten und Humor erklärte sie uns, wie rational und logisch die unheilsamen Emotionen arbeiten. Aus diesem Grund gibt es viele Möglichkeiten und Mittel um die negativen Emotionen zu transformieren wenn man ihre Logik zu verstehen beginnt.
Des Weiteren halfen den Praktizierenden Übungen und Fragen welche in einer stündigen Session zur stillen Selbstreflexion anregten.
Wie in den meisten von unseren Retreats wurde auch in diesem von der letzten Session bis nach dem Mittagessen des folgenden Tages geschwiegen, um damit den Prozess der inneren Arbeit zu unterstützen und zu beschützen.
Am Nachmittag gab es Diskussion in Gruppen in welchen ausgewählte Fragen den Austausch von Erfahrungen unterstützte. Ein sehr wichtiger Moment für viele um das mitfühlende Zuhören zu praktizieren und zu lernen offen und ehrlich über seine eigenen Prozesse zu sprechen.
Der Tag wurde ab- geschlos- sen mit einer Meditation der Reinigung und dann einer optionalen tradition- ellen Praxis des Buddhas des Mitgefühl um die der Wut entgegengesetzten Emotionen von Liebe und Mitgefühl zu stärken.


Diese Retreats sind für uns eine grosse Freude. Sie ermöglichen uns die Kraft der Lehre Buddhas sogleich in den Gesichtern der Menschen und ihrer beginnenden Transformation zu sehen.

Freitag, 3. Juni 2016

Glück ist nicht kompliziert



Wir konnten es kaum fassen, als wir- meine Mutter und ich- die ersten Bilder von der Ankunft von dem Gyalwang Karmapa in der Schweiz anschauten.

Wie der Karmapa später in den Unterweisungen erwähnte, war es für ihn seit Kind ein Traum die Schweiz zu besuchen, da er wusste, dass hier viele Tibeter und Tibeterinnen leben. Auch für uns war es ein Wunsch, dass seine Präsenz dieses Land segnen würde und natürlich war es auch ein Wunsch, dass wir zu diesem Zeitpunkt auch in der Schweiz sein würden.

Als wir dann in Genf tatsächlich den Gyalwang Karmapa sahen wie er das schöne Theater betrat kam es uns einerseits wie ein Traum vor und andrerseits spürten wir eine tiefe Vertrautheit.
Ganz still war es, der Karmapa verbeugte sich, setzte sich auf den Thron und ganz schlicht und einfach begann er mit den Unterweisungen wie man den Geist still werden lasst. Gemeinsam übten wir gleich das gelernte und so schwangen wir uns alle in eine tiefe Stille ein.

Nicht nur in Genf, auch in Zürich sprach der Gyalwang Karmapa von der Zufriedenheit. Er betonte wie wir nur mit der Tatsache, dass wir hier so frische saubere Luft atmen können, uns mit einer tiefen Zufriedenheit verbinden können. Glück muss nicht kompliziert sein, betonte er.
Ich fand es beeindruckend und war berührt wie der Gyalwang Karmapa grad das tiefste Problem einer solcher Überfluss Gesellschaft wie wir es hier sind, erkannte. Wir haben wirklich alles und doch ist Unzufriedenheit, Depression und damit auch die Selbstmordrate sehr hoch.
Wieder unseren Geist zu schulen, sich mit den einfachen und doch so wundersamen Tatsachen wie der Atmung zu verbinden und damit eine Zufriedenheit in jedem Moment zu kultivieren ist wohl das einzige, dass diesen Planeten und uns lebenden Wesen auf diesem Planeten noch retten kann. Wie der Karmapa erklärte können wir in der Atmung unsere enge, untrennbare Verbindung mit der Natur erkennen. Können über das Wunder des menschlichen Lebens staunen und dankbar für jeden Moment des eignen Lebens sein. Uns auf diese Weise durch den Tag immer wieder mal innehalten und mit dem Atem zu verbinden kann zu einem zufriedenem Geist führen. Wenn sich mehr Zufriedenheit in unserm Geist breit macht, fällt es uns ganz einfach bescheidener zu Leben und weniger zu wollen und zu müssen und damit schützen wir auch die Umwelt und lernen zu unterscheiden was wir wirklich brauchen von dem was was wir wollen.

In verschiedenen Momenten äusserte der Karmapa, dass er hofft wieder und wieder zu kommen und so freuen wir uns seine gesegnete Präsenz hoffentlich bald wieder in der Schweiz willkommen zu heissen und weiter Unterweisungen für ein glücklicheres, weiseres und mitfühlenderes Leben zu bekommen.

Samstag, 21. Mai 2016

Nun ist er da....




Der Gyalwang Karmapa, Ogyen Trinley Dorje ist am 18. Mai am Genfer Flughafen gelandet.
Heute, am Tag an dem die Tibeter Buddhas Geburt, Erleuchtung und Paranirvana feiern, durften wir die erste Unterweisung von Seiner Heiligkeit in der Schweiz empfangen.
Am Morgen bekamen wir praktische Anweisungen zur Meditation und wendeten sie auch gleich alle gemeinsam an.
Am Nach- mittag durften wir etwas über die per- sönliche Ge- schichte von dem Gyalwang Karmapa erfahren und dann beantwortete er viele Fragen welche schriftlich eingereicht wurden.
Zum Beispiel wurde gefragt, wie man negative Handlungen am effektivsten und schnellsten reinigen kann. Dazu anwortete der Gyalwang Karmapa, dass wir uns zuerst ein Gefühl der Scham und Reue für unsere negative Handlung entwickeln müssen. Dann können wir uns, mit der Erkenntnis der Vergänglichkeit, vergegenwärtigen, dass wir uns immer verändern können und somit in diesem Moment die Möglichkeit haben uns zu verbessern und anders zu handeln.
Morgen wird es weiter- gehen mit einer Ein- weihung vom Medizin Buddha und am Nach- mittag einem öffentlichen Vortrag zum Thema "Buddhismus und Wissenschaft".
Beides kann hier-http://kagyuoffice.org/webcast/- über Webcast mitgeschaut werden, auf Französisch oder English.
Auch die Unterweisungen in Bülach, welche am 28. und 29. Mai statt finden, werden mit Webcast übertragen.


Dienstag, 17. Mai 2016

Grosser Besuch

Nun ist es doch bald soweit und die Schweiz darf ein hoher Besuch empfangen.

Das erste Mal besucht der 17. Gyalwang Karmapa die Schweiz und gibt in Genf und Bülach (Zürich) öffentliche Unterweisungen.

Die Tickets auf der Seite http://www.karmapa2016.ch/the-karmapa-in-geneva/ ausverkauft aber es gibt vielleicht noch Tickets kurz vor den Veranstaltungen.

"Mitgefühl ist ein wirkungsvolles Wirkzeug in unserem Engagement für die Umwelt. Es verbindet uns persönlich und ausdauernd mit dem Gegenstand unseres Handelns."
Gyalwang Karmapa, Ogyen Trinley Dorje
Das Edle Herz

Sonntag, 15. Mai 2016

Vergänglichkeit

Alles ist vergänglich, wir sterben ja alle, alles geht vorbei… 

Aussagen die schnell mal noch so dahin gesagt werden. Sind sie jedoch wirklich mit einem Em- pfinden verbunden? Ist dieses Verständnis vom Kopf ins Herz gesunken?
Im heissen Cancun, bekannt als Ferienort, haben wir uns an drei Abenden und einem Halbtag mit der Vergänglichkeit auseinandergesetzt.

Einerseits ist die Vergänglichkeit so etwas natürliches und doch scheinen wir immer wieder in viel Schmerz, Frustration und Leiden zu rennen, da wir uns im Festhalten an Permanenz verlieren.

Wenn es die Vergänglichkeit nicht gäbe, was würde dann sein?- kein Wachstum, keine Transformation, kein Leben….
Zu ent- decken, dass sich alles unent- wegt verändert birgt un- endliche Möglich- keiten in sich. Jeden Moment können wir neu Anfangen, können uns entscheiden, heilsamer zu handeln und tieferes Mitgefühl und liebende Güte zu entwickeln. In jedem Moment offenbart sich das Geschenk der Transformation wenn wir diese Möglichkeit wahrnehmen.
Wenn wir dann noch weiter untersuchen, wie tiefgreifend eigentlich die Vergänglichkeit nicht nur in jedem Moment sondern auch in jedem Bruchteil einer Sekunde ist, dann kommen wir in die Erfahrung, dass alles kontinuierlich im Fluss ist.
Weder können wir im Körper, noch in einem Computer, noch im Universum ein Phänomen ausfindig machen das sich nicht verändert, das nicht vergeht.

Uns dies mehr bewusst zu machen, darüber zu reflektieren und meditieren, bringt uns zu einer grösseren Offenheit der wohl offensichtlichsten und doch für so viele schwierig zu akzeptierende Vergänglichkeit unseres Körpers.
Sich mit den eignen Ängsten gegenüber dem eignen Tod und dem Tod Nahestehenden auseinanderzusetzen ist wohl die einzige Möglichkeit diese aufzulösen und sich damit auf den Sterbeprozess vorzubereiten. Buddha gab uns dazu viele geschickte und hilfreiche Mittel an die Hand. Dadurch kann noch in diesem Leben ein Sterben ohne Furcht möglich sein; doch die Vorbereitung beginnt jetzt. Die Unterweisungen zur Vorbereitung zum Sterben sind Unterweisungen zum heilsameren, bewussteren Leben.


Am letzten Abend schlossen wir ab mit grossem Dankbarkeit im Herzen am Leben zu sein und die Möglichkeit zu haben diese Unterweisungen jetzt umzusetzen.

Donnerstag, 14. April 2016

Gosser Meister, heiliger Ort, tiefe Unterweisung

Nach zweiundzwanzig Flugstunden und elf Stunden Zeitverschiebung bin ich nun wieder auf mexikanischen Boden gelandet. Wegen Komplikationen mit dem indischen Visum bin ich ein bisschen früher in Mexiko als meine Nonnenschwestern, welche in ungefähr zwei Wochen nach kommen werden.

Unsere drei Monate in Indien haben wir mit einem weiteren Höhe- punkt abge- schlos- sen: einer Pilgerreise und einer Woche Mahamudra Übertragung von Tai Situ Rinpoche.

Jedoch waren wir nicht nur einfach als Nonnengesmeinschaft unterwegs, sondern es formte sich eine Gruppe mit 21 Mexikaner und Mexikanerinnen, 10 Schweizerinnen und Schweizer und 8 Spanierinnen und Spanier.

Ein heiteres und kulturell sehr durchmischtes Zusammensein, alle mit dem tiefen Wunsch ihre persönliche Dharmapraxis zu vertiefen und sich gegenseitig darin zu unterstützen.
Tai Situ Rinpoche, ein grosser Meister der Karma Kagyu Linie und ein Hüter der wert- vollen Tradition des Mahamudra welche schon viele Praktizieren zu Verwirklichung führte, machte schon bei der Ankündigung dieser Lehren klar, dass diese Mahamudra Übertragung eine Verpflichtung von 2 Stunden persönlicher Praxis pro Tag enthält. Da die Mahamudra Übertragung 6 bis 7 Jahre dauern wird, jedes Jahr eine Woche mit Tai Situ Rinpoche und dann eine klare Übungsstruktur für den Rest des Jahres, war diese Woche für all jene die den aufrichtigen Wunsch nach Vertiefung, Aufbau und klarer Struktur haben ein grosses Geschenk.
 
Auch mit dieser vor- ange- kündigter Ver- pflichtung zählten wir bis zu 1000 Leute welche aus der ganzen Welt für diese so wert- volle Über- tragung nach Bodhgaya reisten. Wie wir, kamen viele in Gruppen und trotzten ökonomischen Schwierig- keiten, langen Reisen, zeitlichen Heraus- forderungen/Ver- pflichtungen und den 44 Grad welche zu dieser Zeit in Bodhgaya herrschten und zeigten damit ihre Hingabe und freudvolle Anstrengung welche es sicher noch weiter brauchen wird um an dieser Praxis dran zu bleiben.


Tai Situ Rinpoche mit seinem Humor, seiner Klarheit, seiner unglaublich tiefen Weisheit und Güte hat uns auch immer wieder mit seiner Offenheit überrascht als er zum Beispiel erzählte wie er die ersten westlichen Schülerinnen und Schüler aus der Hippizeit als grosse Yogis betrachtete. Aus diesem Grund gab er ihnen sehr tiefe Unterweisungen, musste dann alledings fesststellen, dass dieses Aussehen vielleicht täuschen mag und es doch hilfreicher ist erst mit den den grundlegenden Lehren zu beginnen.
Auch weiss Rinpoche die alte Tradition mit einer grossen Präzision im Detail zu vermitteln ohne dass es je eng oder kleinlich werden könnte.
Somit erhielten wir die Übertragung und Erklärungen der Grundlagen Praxis für das Mahamudra- der Vorbereitenden Übungen- mit dem Segen einer Jahrtausend alten Überlieferung.
Es heisst, dass es viele Verdienste braucht um an einem solchen Ort, mit einem solchen Meister, solche Übertragungen zu bekommen und so war es sehr unterstützend, dass wir vor dem Beginn der Unterweisungen eine Pilgerreise in Sarnath und in Bodhgaya machten. Die Orte zu besuchen an denen der Buddha lehrte, dort zu praktizieren und sich mit Buddhas physischem Leben zu verbinden bereichert unsere Praxis, reinigt unseren Geist und hat viele positive Auswirkungen.

Alles in allem waren diese zwei Wochen ein weiteres Geschenk und wir wünschen uns, dass all dies auch eine positive Auswirkung auf unser Umfeld hat, wo immer wir uns befinden. Wie einige Leute auf der Pilgerreis geäussert haben, dass mit solch einer internationalen Gruppe friedlich unterwegs zu sein und gemeinsam heilsame Gedanken zu kultivieren in sich selbst schon ein Beitrag zum Frieden in der Welt ist.

Möge es so sein.