Montag, 14. Mai 2012

Der neue Stern aus Tibet

Karmapa- Ein Buch, geschrieben bei Stephan Kulle- katholischer Theologe, Journalist und Buchautor, das uns einen Einblick gibt in das Leben des Meisters Gyalwang Karmapa, Ogyen Trinley Dorje. Mit einem Rückblick auf die Hinterlegung des Vorhersagebriefs des 16. Karmapas, der Suche und Anerkennung des neuen 17. Gyalwang Karmapa und seinen Aktivitäten in Tibet führt uns Stephan durch den radikalen Wechsel von dem Nomaden Jungen zum Gyalwang Karmapa.
„... Die Welt des kleinen Apo Gaga war von einem Tag auf den anderen vollkommen verändert. Wo immer er erschien, freuten sich Menschen, tanzten und warfen sich ehrerbietig vor ihm nieder. Es war nun öffentlich verkündet, dass er der Karmapa war, dass in ihm die hochangesehene Linie des spirituellen Meisters neue Gestalt angenommen hatte.“... Fesselnd und atemberaubend wird die Flucht des Gyalwang Karmapas über den Himalaya beschrieben. „Es war halb elf, der vereinbarte Zeitpunkt des Fluchtbeginns. Auf dem Tisch im Wohnraum Seiner Heiligkeit lag der Abschiedsbrief, in dem er erklärte, dass er wegginge, weil er die Lehren der Wurzellamas in Indien empfangen wollte, nicht weil er China nicht mochte. Am Schluss des Briefes hat er noch geschrieben, dass er eines Tages nach Tibet zurückkehren würde.“ Der Autor verschont uns nicht vor den politischen Machtkämpfen und üblen Spiele die leider auch einen Teil der traurigen Realität um die 17. Reinkarnation ist. Immer wieder verbindet Stephan Kulle seine persönlichen Begegnungen mit Gyalwang Karmapa, Gemeinsamkeiten der Religionen, harte politische Fakten und geschichtliche Ereignisse miteinander, was das Buch sehr abwechslungsreich, tiefgründing, humorvoll und informativ macht.
Man spürt die grosse Hingabe des Autors zu diesem kraftvollen, charismatischen Meister und in vielen kleinen Episoden gibt uns Stephan Kulle die Möglichkeit, den Gyalwang Karmapa ganz nah zu erleben und Zeuge zu werden von seinem Humor, Leichtigkeit, Weisheit, Tiefe, aber auch von seiner Ernsthaftigkeit. Ein Buch, das ich unbedingt weiterempfehle! „“In nomine patris, et filiis, et...“, begrüsste mich der Karmapa, und er machte sogar ein Kreuzzeichen auf den Oberkörper, so wie es die Katholiken bei den Gebeten und Gottesdiensten tun. Im ersten Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte, so überrascht war ich. Er hatte es sogar genau richtig gemacht. Und sofort verwickelte er mich in ein Gespräch über den Unterschied der Bekreuzigung zwischen katholischen und orthodoxen Christen.“

Dienstag, 1. Mai 2012

Rückzug

Wenn Mann oder Frau sich in ein Meditationsretreat begibt reicht es nicht, dass man einfach eine Höhle aufsucht oder das Internet aussteckt. Sich in ein Retreat zurückziehen heisst, sich mit Körper, Rede und Geist zurückzuziehen. Sich mit dem Körper zurückzuziehen heisst, sich von der Geschäftigkeit des Alltags ganz fernzuhalten und sich an einen Ort begeben, der idealer Weise, ausserhalb geschäftigen Treibens ist, fern von äusseren Ablenkungen. Sich mit der Rede zurückziehen heisst, sich nicht in weltliche Konversationen zu engagieren, zu Schweigen und seine Stimme nur für Gebete und Mantras nutzen. Sich mit dem Geist zurückzuziehen heisst, sich den frieden-raubenden Emotionen wie Begierde, Aversionen/Hass und Ignoranz nicht einfach unterwerfen, ihnen jedoch mit Achtsamkeit und Feingefühl entgegentreten. Somit ist der Rückzug mit dem Geist der wichtigste Faktor, der bestimmt, ob man sich wirklich in einem Retreat befindet. Was nützt es in einer Höhle hoch oben in den Bergen zu sitzen, Mantras zu rezitieren und dabei ständig über die Kritik von unserer Mitarbeiterin oder über Essen nachzudenken. Dann hat der Herzens-Geist nicht die Möglichkeit mit dem tiefliegenden natürlich Gutem in Kontakt zu sein, sondern im Gegenteil, er hat das perfekte stille Umfeld um die alten nicht hilfreichen Muster weiter und sogar noch intensiver zu kultivieren. Wenn wir jedoch der Rückzug von Körper und Rede wirklich dafür nützen können, mit unserem Geist zu arbeiten, in dem wir heilsames kultivieren und unheilsames abwenden, dann kann jedes Retreat von grossem Nutzen sein- für sich selber und für alle, mit denen man in Kontakt ist- für alle Lebewesen.