Sonntag, 25. Juli 2010

Zu Besuch bei Jetsunma Tenzin Palmo

Jetsunma Tenzin Palmo, eine wahrlich inspirierende Nonne, die im Jahr 1964 nach Indien aufbrach, ihren Lehrer fand und mit 20 Jahren die Novizinnen Gelübde nahm. Als einer der ersten westlichen Nonnen erhielt sie die volle Ordination in der chinesischen Tradition im Jahr 1973. Sie praktizierte für 12 Jahre in einer Höhle im indischen Himalaya (inspirierende Biografie: "Das Licht das keinen Schatten wirft") und ist nun die Gründerin des Nonnenklosters Dongyu Gatsal Ling in Indien, das die fast ausgestorbene Linie der Togdenmas- weiblichen Yoginis- wieder reetablieren will.
Zum zweiten Mal hatten wir drei (Nanpel-la, Drölma-la und ich) letzten Freitag dieses grosse Glück uns mit Jetsunma im Nonnenkloster zu treffen.
Vor nicht ganz einem Jahr hatte sie uns den so hilfreichen Rat gegeben, dass das Leben in einer Gemeinschaft wie das Herstellen von tibetischer Medizin vor sich geht. Am Anfang sind diese tibetischen Kräuterklümpchen sehr unförmig. Um sie zu geschmeidigen, runden Kügelchen zu formen, werden sie in grossen Geräten hin und her gerollt, sodass sie ständig aneinander schlagen. Auf dieselbe Weise ist es ein Teil des Prozesses, dass wir immer wieder „aneinander schlagen“ bis jede Einzelne von uns eine geschmeidige „Form“ bekommt.
Dieser Ratschlag kontemplieren wir immer mal wieder nach den Morgengebeten um diese Worte tiefer in den Alltag sinken zu lassen und so mehr Gleichmut zu entwickeln in den verschiedenen „bangs“ die in einem Gemeinschaftsalltag passieren.
Dieses Mal gab uns Jetsunma unter anderem den Rat, wie wichtig es ist, immer wieder zu sehen, wo wir im Moment sind und von dort aus zu starten. Es sei wichtig unsere Fehler zu erkennen wir sollten uns jedoch nicht über sie aufregen, sondern sie als eine Chance zu sehen, um zu arbeiten und uns auf dem Weg zu entwickeln. Unser Treffen schloss damit, dass Jetsunma Tenzin Palmo und nahe legte, uns an unseres innewohnendes Potenzial zu erinnern, das rein und vollkommen ist.
(Ein neues Buch von Jetsunma Tenzin Palmo in Deutsch "Lebendige Lehren unserer Zeit" ist im "Edition Steinrich"-Verlag erhältlich.)

Sonntag, 18. Juli 2010

Das erste Drehen des Dharmarades

Am 15. July wurde nach dem tibetischen Kalender "Das erste Drehen des Dharmarades" gefeiert.
Das heisst, dass Buddha Shakyamuni vor mehr als 2500 Jahren Buddha, in Sarnath, seine erste Lehrrede über die vier edlen Wahrheiten gab.
Mit dieser tiefen Freude und Dankbarkeit, dass der Dharma bis zur heutigen Zeit, gelehrt, praktiziert, niedergeschrieben und übersetzt wurde, nahmen wir dies als einen Anlass zum Feiern.
Mit Mahajanagelübden, spezifischen Rezitationen, zweistündiges Hören der Lehren aus der Studienzeit von Pullahari, persönlichen Praxis, Übersetzungsarbeiten und dann einem Abschluss mit speziellen Widmungsgebeten und der Chenrezigpraxis zelebrierten wir diesen Tag. Damchö-la nicht hier in Indien jedoch sehr mit uns verbunden, war an diesem Tag speziell, und auch die folgenenden Tage in die Übersetzungsarbeit und Zusammenfassung der Geschichten der Nonnen aus Buddhas Zeiten vertieft. Aus diesem Grund erhielten wir das grosse Geschenk, die so tief inspirierende Geschichte der ersten Bhiksuni, Mahāprajāpatī Gautamī gemeinsam zu lesen. Diese Geschichte ist nun auch auf unserer Webseite auf Englisch nachzulesen.
Somit beendeten wir diesen Tag mit einer tiefen Freude, erfüllten Herzen und grosser Dankbarkeit in einer Zeit geborenen zu sein, in der das Dharmarad noch immer dreht und uns den Weg aus dem Kreislauf des Leidens aufzeigt.

Montag, 5. Juli 2010

Was bei uns so läuft...

Es ist ein kontinuierliches Ausprobieren und immer wieder von neuem Abchecken, was denn nun täglich wirklich möglich ist, wie wir unseren Tag als Gemeinschaft und individuell gestalten und welche Schwerpunkte wir setzen wollen. Vor einem halben Jahr hatten wir den Wunsch, uns dieses Jahr als ganze Gemeinschaft mehr dem Studium zu widmen, (siehe Bericht von Nov.2009) jedoch mussten wir einsehen, dass mit der intensiven formalen Praxis die Drölma-la und Nangpel-la im Moment haben- sie sind nun in der letzten Ngöndro (vorbereitenden Uebungen) und widmen sich auch zwei Stunden der „Shine-Meditation“- , dem Gemeinschaftsleben und den damit verbundenen Aufgaben ist es nicht realistisch genau so mit unserem Studienprogramm zu starten, wie wir es urspünglich anstrebten. Jedoch widmen wir uns einem kontinuirlichen Hören und Nachdenken der kostbaren Lehren aus der intensiven Studienzeit in Pullahari.
Als wir uns entschieden haben, das Studiumsprojekt etwas langsamer anzugehen, kam dann ein paar Wochen später prompt noch eine andere grössere Arbeit angeflogen, die nun meine zwei mexikanischen Schwestern nochmals anders auslastet. Mit grosser Freude haben wir vernommen, dass die Untertitel zum DVD des Milarepaschauspiels das von Seiner Heiligkeit Gyalwang Karmapa geschrieben wurde, auch in Spanisch sein sollten- nicht nur in Englisch und Chinesisch. Aus diesem Grund haben sich Damchö-la, Nangpel- la und Drölma-la noch vor Damchö-la’s Abreise dieser Arbeit sehr intensiv gewidmet, sodass Drölma-la und Nangpel-la nun an der Sprache „schleifen“ können.
Damchö-la ist zurzeit in der Welt unterwegs, das heisst, sie reiste zuerst nach Tibet um die Sprache etwas zu vertiefen- bekam jedoch nur 15 Tage Reiseerlaubnis- nicht gerade viel, um in die Sprache einzutauchen. Diese Woche wird sie nach Deutschland fliegen, um dort am Buch über die Nonnen zur Zeit Buddhas zu arbeiten und an der Uni Hamburg auch eine Lesung zu geben. Falls es doch der Fall sein sollte, dass jemand am 13.Juli in Hamburg sein sollte, kann die Lesung zum Thema "Hierarchy and Gender in Buddhist Monasticism" an der Uni Hamburg besuchen. Abschliessen wird sie ihre Reise Mitte August mit einem Retreat, das sie in Mexico leitet.
Auch für mich hat sich im Tageslauf ziemlich viel verändert, da ich mich nun mehr der formalen Praxis widme und mich im Tibetisch hauptsächlich darauf fokussiere, die Texte die ich täglich rezitiere, Wort bei Wort zu verstehen.
So sieht unsere tägliche Struktur im Moment ungefähr folgendermassen aus (ständige Veränderungen inbegriffen):
Am Morgen um spätestens um 5 Uhr sitzen Nangpel-la, Drölma-la und Ich in unserer formalen Praxis Session bis um etwa 7 Uhr. Um 7.30 Uhr haben wir eine halbe Stunde Rezitation in der Gemeinschaft, worauf das Frühstück Vorbereiten und frühstücken folgen. Um 9. Uhr starten wir unsere zweite zweistündige Praxissession. Danach beginnen zwei mit Kochen, sodass das Mittagessen um 12 Uhr bereit ist.
Spätestens um 14.30 Uhr vertiefe ich mich die Tibetische Sprache und meine mexikanischen Schwestern nun meist in die Uebersetzungsarbeit oder nochmals in die Ngöndro. Nach wie vor haben wir das unwahrscheinlich Glück zwei Mal die Woche, in dieser Zeit, die öffentliche Audienz von unserem Lehrer Gyalwang Karmapa zu besuchen. Vier mal die Woche hören wir uns von 17.00 bis 18.00 Uhr die Vorträge von Pullahari an und können damit nochmals durch unsere Notizen gehen und die Worte von Drupon Khenpo-la tiefer sinken lassen.
Um etwas 20.30 Uhr treffen wir uns nochmals alle in der Gompa um den Tag mit der Praxis von Chenrezig und den Widmungen abzuschliessen.