Freitag, 16. September 2011

Zuflucht

Im Retreat beschäftigte ich mich etwas ausführlicher mit dem Thema der Zuflucht. Aus diesem Grund möchte ich gerne ein paar Gedanken zu diesem Thema mit euch teilen.

Zuflucht nehmen ist uns eigentlich sehr vertraut. Wir nehmen den lieben langen Tag in alles Mögliche Zuflucht. Sei es in ein gutes Essen, eine Tasse Kaffee, eine Freundin, einen Kinofilm etc. etc. Warum nehmen wir überhaupt Zuflucht? Weil wir alle glücklich sein und nicht leiden wollen.

Wenn wir die Begrenzungen dieser Zufluchtsobjekte erkennen, sind sie kein Problem. Ein Problem- d. h. mehr Verwirrung und somit mehr leiden- haben wir dann, wenn wir denken, dass diese Zufluchtsobjekte uns endgültiges, immerwährendes Glück bringen. Dieses immerwährende Glück ist ja das, was wir alle so gerne hätten und seit langer, langer Zeit unermüdlich danach streben. Eben dieses Glück in diesen so flüchtigen Zufluchtobjekten zu finden ist nun wirklich nicht realistisch und das können wir sehr schnell erkennen, wenn wir unsere Erfahrungen betrachten Werden wir wirklich glücklicher, je mehr Kaffee wir trinken? Wie lange hält die Freude über einen guten Geschmack in unserem Gaumen an? Können unsere Freunde oder unser Haus uns wirklich vor allen Gefahren schützen und all unsere Leiden beseitigen.

Wirklich Zuflucht nehmen, in etwas das uns beschützen kann, das uns als Beispiel dient,wie wir und dass wir die positiven Qualitäten nähren und die leid -bringenden Mustern reduzieren können, das uns hilft, tiefe Hingabe zu entwickeln, uns die Tür öffnet zu unserem innersten Potenzial und auf das wir immer, in jeder Situation- auch auf dem Sterbebett- zugreifen können, dies ist ein Zufluchtsobjekt das unsere Ängste nehmen und uns wirklich weiterbringen kann- über den Tod hinaus.

Je nach religiösem und/oder philosophischen Hintergrund, kann dieses Zufluchtobjekt verschiedene Namen tragen, in ihrer Funktion sind sie jedoch sehr ähnlich, indem sie in dem Zufluchtnehmenden das Gefühl von Schutz, Verbundenheit, Hingabe und tiefem Vertrauen wecken.

Im Buddhismus wird einerseits die äussere Zuflucht erklärt,die aus den drei Juwelen- dem Buddha, dem Dharma, und dem Sangha- bestehet. Jedoch wird darauf aufmerksam gemacht, dass wir diese drei Juwelen genauso in uns selbst finden können und somit das Potenzial haben, selbst diese unermesslichen Qualitäten der drei Juwelen in uns zu erwecken, zu kultivieren und zum Erwachen zu bringen.
In dem Sinne nehmen wir einerseits Zuflucht zu dem, was uns hilft, immer mehr in die Berührung mit unserem innewohnenden Zufluchtsort zu kommen. Der Buddha, der selbst zu diesem höchsten Potenzial erwachte, gibt uns ein Beispiel, was das Potenzial unseres eigenen Herzensgeistes ist. Der Dharma, erklärt den Weg, wie wir dieses Potenzial verwirklichen können und der Sangha, ist die edle Gemeinschaft die uns unterstützt auf diesem Weg der Transformation.

Somit geht es „bei der Zufluchtnahme nicht um ein religiöses Bekenntnis“ wie Fred Von Allmen in seinem Buch „Buddhismus“ (das ich sehr empfehlen kann) schreibt, „sondern um eine Auseinandersetzung mit der Frage nach dem, was in diesem unberechenbaren Dasein Schutz bietet und worauf tatsächlich Verlass ist.“

Dies ein paar Gedanken von mir. Wer gerne mehr zu diesem Thema von verschiedenen Buddhistischen Meisterinnen und Meistern lesen möchte, hier ein paar links:
Gyalwang Karmapa Orgyen Trinley Dorje (Deutsch)
Jetsuna Tenzin Palmo (Deutsch)
Khenpo Karthar Rinpoche(Englisch)
Verschiedene westliche Lehrerinnen und Lehrer, youTube (Englisch)

Sonntag, 4. September 2011

Dankbarkeit und Wolkensuppe

Mit unglaublich grosser Dankbarkeit tauchen wir aus diesen zwei Monaten wertvoller Rückzugszeit auf. Es ist ein grosses Geschenk, dass wir uns ganz und gar dem Hören, Reflektieren und Meditieren des wertvollen Buddhadharma widmen durften. Uns ist sehr bewusst, dass dies nur möglich war dank der Unterstützung vieler Personen.
Angefangen bei all den Leuten, die unsere Gemeinschaft auf verschiedenste Weise unterstützen, bis zu der Schweizernonne, die uns jede Woche frisches Gemüse und Früchte brachte, oder die koreanische Nonne, die uns einen gefüllten Gastank organisierte, bis zu all den Menschen und Lebewesen, die es möglich machen, dass wir jeden Tag zu essen, ein Dach über den Kopf, Medizin und Kleidung haben. Mögen die Verdienste dieser Rückzugszeit das Herz aller mit Freude erfüllen.

Innehalten, in die Stille gehen und sich jeden Tag die verschiedenen Mittel aneignen, welche Buddha offerierte, um unseren Geist mehr und mehr kennenzulernen und mit der direkten Anwendung gleich selbst Erfahrungen sammeln welche Gegenmittel für welche störenden Emotionen (Sanskrit; „Klesha“, wie Aversion, Habsucht, Eifersucht, Stolz …) helfen. Die Kleshas können wir als störende Emotionen erkennen, in dem sie uns den Frieden des Geistes rauben. Sie stehlen unseren Gleichmut, unsere Freude, unser Mitgefühl und besetzen uns mit dieser grossen, dicken Wolke leidbringenden Emotionen mit all seinen Geschichten. Zum Glück hat uns Buddha gelehrt, dass diese Kleshas mit Wolken zu vergleichen, jedoch nicht der Himmel, das heisst nicht die Natur unseres Geistes sind. Somit ist da immer ein klarer, blauer Himmel, mit dem wir uns verbinden können. Wenn sich unser vertrauen in diesen klaren Himmel vertieft, kann es auch ein paar Tage bewölkt und grau sein (was im Monsun hier so ziemlich der Alltag sein kann … (C:) und es ist nicht gleich ein Weltuntergang. Somit hat sich das Monsunwetter sehr geeignet, um die verschiedenen Formen und Grautöne der Wolkensuppe zu studieren, jedoch auch um in die Präsenz des klaren Himmels immer wieder in uns wach zu rufen.