Montag, 20. April 2009

Nechung Orakel

Von unserem Balkon gut sichtbar, wurde eine wunderbare Nyingma-Gompa gebaut die nun diese Tage eingeweiht wurde. Zu diesem Anlass wurde am Montagmorgen das Staatsorakel “Nechung” eingeladen, ich nehme an, um gewisse Fragen zu klaeren, die aber nicht oeffentlich waren.
Sehr nahe konnten wir jedoch teilhaben, wie der Moench “Kuten-la” sich in tiefe Meditation versenkte. Durch die Begleitung und Anrufung trainierter Moenche, nahm das Orakel Besitz von diesem Koerper. Die aussere Erscheinung veraenderte sich total und eine Energie uebernahm diesen Koerper die all unsere konventionellen Vorstellungen sprengte.
Als “Kuten-la” einst in Thosamling auf einen Besuch vorbei kam, durften wir all unsere Fragen stellen.So beschrieb er das Eintreten des Orakels in den Koerper als ein Gefuhel, wie wenn man in einem kleinen Flugzeug sitzt und in die Luftloecher faellt.
Besonders interessant fand ich, wie er beschrieb, wie er sich in tiefe Meditation versenkte und damit dem Orakel “Platz” macht.
Fuer mich eine sehr eindrueckliche Form, den Koerper zum Wohle der Wesen zu offerieren. Es ist bekannt, dass das Medium selten lange lebt, da diese enorme Energie den Koerper sehr sprapaziert.

Hier eine kurze Hintergrundinformation zum Staatsorakel ‘Nechung’
Das Nechung Orakel ist das Staatsorakel von Tibet. In Tibet und in allen groesseren Himalayaregionen spielen die Orakel eine wichtige Rolle fuer Prophezeiungen, wichtige Entscheidungen, Heiraten etc. In Tibet spielen das Nechung-Orakel und andere Orakel eine wichtige Rolle bei Staatsentscheiden.
Das Medium offeriert seinen Koerper als Basis in dem das Orakel fuer eine voruebergehnde Zeit Besitz nehmen kann. Das Medium stellt somit die Verbindung von der Welt der Phaenomene und der mehr subtilen spirituellen Welt dar. Das Medium ist somit bekannt als “Kuten”, was literarisch uebersetzt heisst; physische Basis.

Sonntag, 12. April 2009

Kleiner Einblick in unseren Alltag

Um einen kleinen Einblick in unseren Alltag zu geben, setze ich unseren Tagesplan in den Blog, eingerahmt in ein paar Gebete und Motivationen die wir morgens rezitieren. Da wir uns noch sehr in der kreativen Phase der Basisbildung bewegen, ist dieser Tagesplan kein solides Model, viel mehr eine Basis um zu sehen, was unterstuetzend ist und was eben nicht. Doch um dies wirklich werten zu koennen arbeiten wir mit dem vorgestellten Model und versuchen uns danach zu auszurichten.


Feinde die mich hassen; jene die mir Schaden bringen und ein Hindernis darstellen; meine Muetter, alle Wesen, so zahlreich wie der Raum weit, sie alle moegen Freude erleben, frei von Leiden sein und tatsaechlich schnell unuebertreffliche, kostbare vollendete Erleuchtung erlangen.

Dafuer, bis zum Erwachen, stelle ich Koerper, Rede und Geist in den Dienst des Guten. Bis zum Tode stelle ich Koerper, Rede und Geist in den Dienst des Guten. Von heute bis morgen zur gleichen Zeit stelle ich Koerper, Rede und Geist in den Dienst des Guten.


Tagesplan
(Montag bis Samstag)
5:00 – 5:30 Niederwerfungen zu den 35 Buddhas (Dapel und Nangpel)
5:30 – 6:00 Individuelle Praxis oder Tee
6:00 – 6:30 Praxis in der Gruppe
6:30 - 7:30 Kochen, Fruehstuecken
7:30 – 8:30 Belehrungen von Aufnahmen hoeren
9:00 – 12:00* Tibetische Klasse und Studium (Damcho und Dapel)
Formale Praxis Session (Nangpel und Drolma)
-> Sonntags: Putzen
(11 – 12) Mittagessen kochen (zwei Nonnen)
12:00 – 1:00 Mittagessen
1:00 – 2:30 abwaschen, andere Aemtli, ausruhen
2:30 – 4:30+ Uebersetzungsarbeiten (Damcho)
Tibetische Sprache studieren, memorisieren(Dapel)
Formale Praxis oder Arbeit am Computer (Nangpel)
Formale Praxis (Drolma)
Sonntags-> Freie Zeit: email, Telefons mit den Familien, Blog…
4:30 - 5:00 Yoga, Khorwa um das Nonnenkloster Drolmaling oder andere Koerperuebungen(Optional)
5:00 – 5:30 Teepause
5:30 – 7:30# Uebersetzungsarbeiten (Damcho)
Tibetische Sprache studieren, memorisieren(Dapel)
Formale Praxis (Nangpel und Drolma)
7:30 – 8:00 Shamatha Meditation (Optional)
8:00 – 9:00 Praxis in der Gruppe
9:00 Individuelle Praxis, Uebersetzungsarbeit oder Schlafzeit

*An Sojong Tagen fahren wir nach McLeod Ganj waehrend dieser Session.
+Am Mittwoch und Samstag gehen wir zur oeffentlichen Audienz in Gyuto.
#Am Samstag haben wir in dieser Zeit Gruppentreffen.


Meine Kleidung, Nahrung, Heilmittel, Besitz, Kommen und Gehen, Koerperpflege, Hinsetzen und so weiter, mein Betreten eines Ortes, mein Wohnort, ungestoertes Leben, bestes Verhalten mit Koerper, Rede und Geist, Beherrschung der sechs Sinne, Bekleiden, Massieren und Waschen meines Koerpers, Essen, Kauen und Schmecken, Beugen und Strecken, Sehen und Schauen, Einschlafen und Wachbleiben und welche passende Dienste auch immer mit meinem Koerper geleistet werden - von all diesem gibt es nichts, was ich nicht vollstaendig der Allwissenheit widme.
In den Anfaengen

Vier Nonnen; zwei Mexikanerinnen, eine Amerikanerin und eine Schweizerin, wohnen hier im pinken Haus zusammen und versuchen die wertvollen Belehrungen des Buddhas in einen gemeinsamen Alltag zu integrieren.
Drei Zimmer bilden die raumliche Basis fuer unser kleines Kloster. Die Kueche, in der Nacht der Schlafplatz fuer zwei Nonnen, das Studierzimmer, in der Nacht der Schlafplatz fuer zwei Nonnen und das dritte Zimmer ist der Gebets- und Meditationsraum. Ein Balkon wird zu unserem Essplatz und die Dachterrasse dient vorzueglich fuer Yoga und Auswendig lernen.
Ein Tagesplan gibt uns die noetige Struktur und formt das Bachbett in dem der Fluss der gemeinsamen und individuellen Aktivitaeten fliessen kann.
Ven. Nangpel und Ven. Droelma haben den Schwerpunkt mehr in der formalen Praxis, Ven. Damchoe schreibt ihre PhD Arbeit (und wird dafuer im Mai fuer einige Monate in die USA reisen muessen) und fuer mich steht das Erlernen der tibetischen Sprache im Zentrum.
Neben diesen indiviuellen Schwerpunkten haben wir morgens und abends gemeinsame Praxis, hoeren uns taeglich Belehrungen gemeinsam an und treffen uns fuer die Mahlzeiten, fuer die jede Woche zwei Nonnen verantwortlich sind.
Natuerlich haben wir immer wieder mal ein Treffen mal mehr fuer persoenlichen Austausch ein andermal mehr um Organisatorisches zu klaeren.

Um einen kleinen Einblick zu geben, wie sehr uns die gegenseitige Unterstuetzung im Dharma, ein harmonisches Zusammenleben und ein kultivieren der Dankbarkeit und Freude auf diesem Pfad am Herzen liegen, fuege ich eine deutsche Uebersetzung aus einem Teil eines Pali-Sutra an, das wir jeden Morgen in englisch rezitieren.

M. 31. (IV,1) Cūlagosinga Sutta (Im Gosingam-Walde I) - (Pali Version)

DAS HAB' ICH GEHÖRT. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Nadika, in der Steinernen Einsiedelei. Um diese Zeit aber der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo im Forste des Gosingam-Waldes. Als nun der Erhabene gegen Abend die Gedenkensruhe beendet hatte, begab er sich zum Forste des Gosingam-Waldes. Da sah ein Waldhüter den Erhabenen von ferne herankommen, und als er den Erhabenen gesehn sprach er also zu ihm:

"Gehe nicht in diesen Forst, o Asket: drei edle Jünglinge weilen hier, die selbstzufrieden scheinen, störe sie nicht!"

Der ehrwürdige Anuruddho hörte aber des Waldhüters Gespräch mit dem Erhabenen, und als er es gehört sprach er also zum Waldhüter:

"Wehre nicht, Bruder Waldhüter, dem Erhabenen: unser Meister, der Erhabene ist gekommen."

Und der ehrwürdige Anuruddho begab sich nun zum ehrwürdigen Nandiyo und zum ehrwürdigen Kimbilo und sprach also zu ihnen:

"Kommt herbei, ihr Brüder, kommt herbei, ihr Brüder: unser Meister, der Erhabene ist da."

Und der ehrwürdige Anuruddho der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo gingen nun Erhabenen entgegen. Einer nahm dem Erhabenen Mantel und Schale ab, einer machte einen Sitz zurecht, einer brachte Wasser zur Fußwaschung herbei. Es setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Sitz, und als er saß spülte er sich die Füße ab. Jene Ehrwürdigen aber setzten sich, nach des Erhabenen Begrüßung, zur Seite nieder. Und der Erhabene wandte sich nun an den ehrwürdigen Anuruddho, der zur Seite saß, und sprach also:

"Geht es euch, Anuruddher, leidlich, kommt ihr wohl aus, ohne Mangel an Nahrung?"

"Leidlich, Erhabener, geht es uns, wohl, Erhabener, kommen wir aus, wir ermangeln, o Herr, nicht der Nahrung."
"Vertragt ihr euch aber, Anuruddher, einig, ohne Zwist, mild geworden, und seht euch sanften Auges an?"

"Freilich, o Herr, vertragen wir uns, einig, ohne Zwist, mild geworden, und sehn uns sanften Auges an."

"Inwiefern aber, Anuruddher, vertragt ihr euch, einig, ohne Zwist, mild geworden, und seht euch sanften Auges an?"

"Da gedenk' ich, o Herr, also: 'Erreicht habe ich's, wohl getroffen, fürwahr, der ich mit solchen wahren Asketen vereint lebe.' Und ich Glücklicher, o Herr, diene diesen Ehrwürdigen mit liebevoller Tat, so offen als verborgen, mit liebevollem Wort, so offen als verborgen, mit liebevoller Gesinnung, so offen als verborgen, Und also verweilend, o Herr, denke ich: 'Wenn ich nun meinen eigenen Willen aufgäbe und mich nur dem Willen dieser Ehrwürdigen unterwürfe?' Und ich habe, o Herr, meinen eigenen Willen aufgegeben und mich dem Willen dieser Ehrwürdigen unterworfen. Verschieden, o Herr, sind zwar unsere Körper, aber ich glaube wir haben nur einen Willen."

Und der ehrwürdige Nandiyo, und der ehrwürdige Kimbilo sprach zum Erhabenen:

"Auch ich, o Herr, gedenke also: 'Erreicht habe ich's, wohl getroffen, fürwahr, der ich mit solchen wahren Asketen vereint lebe.' Und ich Glücklicher, o Herr, diene diesen Ehrwürdigen mit liebevoller Tat, so offen als verborgen, mit liebevollem Wort, so offen als verborgen, mit liebevoller Gesinnung, so offen als verborgen. Und also verweilend, o Herr, denke ich: 'Wenn ich nun meinen eigenen Willen aufgäbe und mich nur dem Willen dieser Ehrwürdigen unterwürfe?' Und ich habe, o Herr, meinen eigenen Willen aufgegeben und mich dem Willen dieser Ehrwürdigen unterworfen. Verschieden, o Herr, sind zwar unsere Körper, aber ich glaube, wir haben nur einen Willen.

"Also, o Herr, verweilen wir verträglich, einig, ohne Zwist, mild geworden, und sehn uns sanften Auges an."