Sonntag, 21. Juni 2009

Von Herz zu Herz

Eine Belehrung von Gyalwang Karmapa in Gyuto, am 18. April 2009. Dies sind meine Notizen, nicht vollständig und nicht perfekt. Vielleicht können sie doch etwas von den Worten oder viel mehr von der Präsenz von Gyalwang Karmapa weitergeben.

“Wie es in der öffentlichen Audienz Tradition ist, verbinde ich mich mit euch allen durch die mündliche Übertragung der Chenrezigpraxis.

Damit wir diese Praxis ausführen können, müssen wir die Merkmale von Chenrezig verstehen. Dieses Verständnis ist sehr wichtig. Mit diesem Verständnis können wir mit dem eigentlichen Üben beginnen. Die Essenz von Chenrezig ist Liebende-Güte und Mitgefühl. Diese Essenz erscheint in der Form von Chenrezig.
Normalerweise, wenn wir über Liebende-Güte und Mitgefühl sprechen, bewegen wir uns auf einem intellektuellen Level. Die Authentizität der Gedanken scheint verloren zu gehen. Es sollte ein Interesse da sein mit dem Herzen nach Aussen gehen zu wollen, wo immer Hilfe benötigt wird. Liebende-Güte und Mitgefühl sollten authentisch werden, tief gefühlt, damit wir helfen und Schutz geben wollen. Vielfach, wenn es darum geht, Mut zu haben, denken und sprechen wir über Mitgefühl und sind damit zufrieden. Wir machen Gebete mit einem Gefühl, das nicht wirklich aus ganzem Herzen kommt und deshalb geht das Mitgefühl nicht tiefer. Es scheint, dass wir manchmal mehr Ratgeber sind und es auf einer Gesprächs-Ebene belassen. Wenn wir jedoch ein etwas authentisches Gefühl entwickeln, erkennen wir, dass mein Leiden und das der anderen das Gleiche ist.

Was heisst es dann, sich in liebender Güte und Mitgefühl zu üben?
Grundsätzlich heisst es sich zu öffnen, sein Herz ganz zu öffnen. Der Grund, warum ich das sage ist, weil es scheint, dass die Leute häufig eng werden und sich zurückziehen, wenn sie Leiden sehen. Ein Gefühl wie wenn man in einem eisernen Käfig eingeschlossen ist.
Authentisches Mitgefühl bedeutet, dass wir wirklich unser Herz öffnen.
Wir haben Gewohnheiten. Wenn wir viel Leiden sehen, (dafür müssen wir nicht weit gehen, denn im Fernseher sehen wir alles über das Leiden) was ist dann unsere die Reaktion darauf? Wir ziehen uns zurück.
Es ist wahr; das Leiden der anderen kann manchmal wirklich überwältigend sein. Doch sehen wir als Erstes unser eigenes Leiden, können wir von da aus den Wunsch kultivieren, uns jedem Leiden zu öffnen.
Wie können wir unser Herz öffnen?
Wir sollten uns nicht durcheinanderbringen lassen durch (einen Knopf) ein enges Gefühl im Bauch. Wenn wir Leiden begegnen, sehen wir dies als eine Möglichkeit an, um zu trainieren.
Die Geschichten der grossen Meister der Linie können uns dabei inspirieren. Diese haben diese Reise alleine gemacht. Wir könnten denken, dass sie einfach die ganzen Schwierigkeiten hinter sich lassen wollten, doch wenn wir wissen, was diese Meister erreicht haben, sehen wir, dass diese Meister sich wirklich vollkommen geöffnet haben. Sich in die Einsamkeit zu begeben mit der Motivation; zum Wohle aller Wesen, ist der erste Schritt, damit wir unser Herz zu allen Wesen hin ausdehnen können. Dann folgen Körper und Rede.
Wir müssen beginnen uns in die Richtung des Leidens hinzubewegen, ohne uns innerlich zurückzuziehen und einen unnötigen Knopf von Leiden im Bauch zu kreieren.
Es ist nötig, dass echtes Mitgefühl in unserem Herzens-Geist entstehen kann. Ohne dies, haben wir eine Haltung, die sich nicht bewegen lässt, wir scheinen keine Mittel und Methoden zu haben und bleiben stecken. Mittel und Methoden um Mitgefühl zu trainieren gibt es jedoch viele.
Die Leute scheinen viele verschiedene Arten von Gedanken zu haben, die keine Substanz haben und keine Hilfe sind. Dann kreisen sie in diesen Gedanken und nehmen dies als Entschuldigung nicht zu handeln.

Ich selber trainiere in Liebender Güte und Mitgefühl so oft ich kann.
Wenn ich Mitgefühl kultiviere, schaue ich, dass es eine ‘Herz zu Herz-Praxis’ ist und nicht etwas Philosophisches.
Wenn wir Mitgefühl entwickeln, sollten wir nicht ein sofortiges Resultat erwarten. Diese Praxis hat zu tun mit Integrität und einer ausgedehnten Herz zu Herz-Erfahrung die Sicherheit und liebevolle Zuneigung vermittelt.

Was ich hier betonen will, dass es notwendig ist, richtig zu trainieren. Wir brauchen liebende Güte und Mitgefühl, das natürlich entsteht, das stabil ist, voller Energie.
Vielleicht ist es besser in kleinen Schritten zu trainieren auf Verschiedenste indirekte Wege, wie z.B. Abfall aufheben und an den richtigen Ort tun. Etwas das uns sogleich ein Gefühl von Zufriedenheit gibt. Besser in kleinen Schritten zu gehen die von indirekter Hilfe sind als all diese Ideen über Mitgefühl zu kultivieren. Das Beste ist, auf eine realistische Art zu beginnen.
Vielleicht denken wir, dass wir Mitgefühl empfinden, wenn wir herumgehen und Schokolade verteilen, doch dies kann sehr seltsam wirken. Wenn wir jedoch richtig trainiert haben und dann Schokolade verschenkt, kann das Resultat anders sein.
Ohne die Saat richtig zu säen, ist sie nicht brauchbar.

Du kannst den Sinnen die Fähigkeit geben, Liebende-Güte und Mitgefühl auszudehnen. Du kannst mit den Augen des Mitgefühls schauen, dies ist sehr effektiv, da die Augen mit deinem Herzen und deinem Training verbunden sind. Du kannst auch dem Geräusch des Leidens zuhören.
Bleibe nicht stecken!
Danke!

Sonntag, 7. Juni 2009

Winziger Start, riesige Aspiration

In einem Gemeinschaftsmeeting haben wir herausgeschält, was unsere Schwerpunkte, Visionen und Wünsche für diese Gemeinschaft sind und Ven. Damchoe hat all die Notizen dann in diese Form gebracht, die ich nun hier ins Deutsche übersetzte.
Dies ist eine angepasste Version von dem Brief, den wir SH Gyalwang Karmapa Orgyen Trinley Dorje bei einer Audienz vorgelesen haben, - natürlich in englisch.


Eure Heiligkeit, nun haben wir begonnen zusammenzuleben, langsam probieren wir Strukturen für die Gemeinschaft aus, die sich einerseits nach der Vinaya richten und andrerseits zu unserem Hintergrund passen und mit unserer Mahayana-Ausrichtung einhergehen. Wir machen dies mit der Vision, eine Basis für eine größere Gemeinschaft in der Zukunft zu schaffen. Für uns als Westlerinnen, dies wird wohl etwas Raum für Experimente brauchen. In Zusammenarbeit wollen wir die richtige Balance finden, damit eine starke, stabile und harmonische Gemeinschaft langsam seine Form finden kann. Auf lange Sicht streben wir danach, eine Gemeinschaft zu formen, in der Nonnenschülerinnen aus vielen verschiedenen Ländern gemeinsam Richtung Erwachen gehen können. Wir wünschen uns, eine schöne und blühende Plattform zu bilden, die anderen auf verschiedenste Weise von Nutzen sein wird, doch dessen volle Form wir uns im Moment selber noch nicht vorstellen können. Mit eurer Heiligkeit würden wir gerne unsere Ideen und Wünsche für diese Gemeinschaft teilen.

Monastisches Leben als wertvoller Beitrag des Buddhadharma für WestlerInnen
Als WestlerInnen sind wir in einer Umgebung aufgewachsen, die uns sagt, dass Glücklichkeit von der Ansammlung von äußeren Guetern und Sinnesfreuden abhängig ist. Unter all den vielen Belehrungen, die der Buddhadharma zu offerieren hat, zeigt der monastische Weg ein direktes und lebendiges Beispiel, dass es möglich ist, mit viel weniger zufrieden zu sein als unsere Gesellschaft meint sei notwendig für ein glückliches Leben. WestlerInnen, die ein sinnvolles und freudvolles monastisches Leben führen, können Zeichen setzen, dass die Ursachen für Glück an einem anderen Ort liegen, als normalerweise gedacht wird. Deshalb haben wir das Gefühl, dass der monastische Buddhismus einen sehr wertvollen Beitrag zur westlichen Kultur leisten kann und somit der globalen Kultur, die dadurch beeinflusst wird.

Gemeinschaftsleben als integrierender Teil der Dharmapraxis
Zusammen in einer Gemeinschaft zu leben, zeigt eine lebendige Demonstration von Buddhas Belehrungen, dass unsere Jagd nach der individuellen Glücklichkeit nur erfolgreich sein kann, wenn wir uns aktiv um das Wohl der anderen kümmern. Auch in diesem Sinne kann eine harmonische monastische Gemeinschaft der westlichen Gesellschaft ein direktes Argument liefern, gegen den Glauben, dass wir nur auf Kosten anderer glücklich sein können.

Nur unterstützende Umstände für unsere individuelle Dharmapraxis und individuelles Dharmastudium zu haben ist nicht unsere Absicht des Zusammenlebens. Viel mehr sehen wir das Leben in Gemeinschaft als integrierender Teil von unserer Arbeit unseren Geist zu transformieren, welches das Ziel der Dharmapraxis und des Dharmastudiums ist. Wir wertschätzen die Chance, in gegenseitiger Unterstützung uns zu helfen, das Leben in Gemeinschaft als Methode von Erkennen und Konfrontieren unserer eigenen verblendeten Emotionen und Selbstzentriertheit zu nutzen, sodass Toleranz und liebende Güte sich entwickeln können und wir lernen, uns liebevoll um andere zu sorgen.

Wie auch immer, Individuen, die einfach zusammen im gleichen Haus leben, formen nicht automatisch eine Dharmagemeinschaft. Um Stabilität und ein Gefühl von Vertrautheit in der Gemeinschaft zu kultivieren, finden wir es wichtig gemeinsam auch formal zu praktizieren. Auch das gemeinsame Hören der Aufnahmen verschiedener Dharmabelehrungen hilft uns, unsere Praxis zu vertiefen. Auf einer praktischen Ebene kochen und essen wir gemeinsam, folgen einem Tagesplan der Rezitationen und Praxis in der Gruppe am Morgen und Abend und tägliches Hören der Dharmabelehrungen beinhaltet.

Training in der Vinaya
Wir sehen die Richtlinien, die Buddha für seine monastischen Schüler und Schülerinnen entworfen hatte, als persönliche Anleitung, die uns hilft unseren Geist zu transformieren, indem wir Körper und Rede disziplinieren. Wir sehen dieses Regelwerk als Grundriss für unser Gemeinschaftsleben. Wir finden es sehr hilfreich, jede zweite Woche zum Sojong (Reinigungszeremonie der Gelübde) zu gehen. Wir essen nicht am Abend und teilen finanzielle Ressourcen, sodass wenn wir Geld brauchen müssen, können wir dies tun, ohne zu denken es ist mein.

Obwohl wir anerkennen, dass viele der Regeln, geschrieben in der Vinaya, ursprünglich als Antwort auf einen anderen Kontext gedacht waren, wollen wir doch diesem Modell folgen wo immer möglich und passen es nur, wo es nötig erscheint, an. Gerade da sehen wir die Wichtigkeit, der Führung eines authentischen, realisierten Lehrers - die wir in eurer Heiligkeit schon haben dürfen - und einer geschützten Umgebung, in welcher wir nach der Vinaya leben können - was wir jetzt mit unserer Gemeinschaft bilden.

Freude wahren in unseren Gelübden
Obwohl es hart sein kann, sich mit den verblendeten Emotionen zu konfrontieren, sehen wir es als unglaubliches Geschenk an unter dem Schutz der „pratimoksha“- Gelübde zu leben und diese edle Lebensweise miteinander zu teilen. Unser weiteres großes Glück, dass wir als Nonnen unter eurer Heiligkeits Obhut sein dürfen, erfüllt uns mit einer Freude, die in Worte nicht zu fassen ist. Diese Freude hilft uns einen entspannten Geist zu kultivieren, inmitten der manchmal schwierigen Arbeit von Selbsttransformation. Wir möchten diese Freude wahren und kultivieren können, als einen Eckstein für unser Leben in der Gemeinschaft.

Eine stabile Basis schaffen, für Nonnen, die später dazu kommen wollen
Auf gewisse Weise ist der westliche kulturelle Hintergrund nicht so hilfreich und unterstützend für das Gemeinschaftsleben. Viele von uns sind aufgewachsen mit der großen Wertschätzung unserer eigenen ‚Unabhängigkeit’, mit der Überzeugung, dass wir einen privaten Raum brauchen, und dass wir planen und arbeiten für unsere eigenen Bedürfnisse. Als ein Resultat, finden es westliche Nonnen häufig natürlich, dass sie nach der Ordination alleine Leben und sich um ihre eigenen materiellen Bedürfnisse kümmern sollten, um so im privaten den Dharma zu praktizieren. Da sowieso ein großer Mangel an Plätzen besteht, in denen westliche Nonnen zusammenleben und trainieren können, der Entscheid, einen mehr privaten und individuellen monastischen Stil zu entwickeln, ist leicht gemacht. Als ein Resultat, Westlerinnen, die in eine monastische Gemeinschaft eintreten, haben häufig viele Anpassungen zu machen, sodass ein Eingliedern nicht immer reibungslos verlaufen kann.

Mehr noch, obwohl wir das Wort “WestlerInnen” benutzen, ist klar, dass es nicht eine einzige westliche Kultur gibt. So klein, wie sie ist, unsere Gemeinschaft beinhaltet schon Leute von drei verschiedenen Kulturen. Deshalb ist es wichtig, auch diese kulturellen Verschiedenheiten im Gemeinschaftsleben zu berücksichtigen. Schwierigkeiten und Konflikte in den verschiedensten Variationen sind im Gemeinschaftsleben unvermeidlich, in dem viele Egos und viele verblendete Emotionen aufeinandertreffen. Nur mit der Zeit können wir die nötige Basis von Vertrauen und Sicherheit in uns selber und ineinander bilden, um uns diesen Momenten mit Gleichmut und Mitgefühl zu stellen.

Aus diesem Grund denken wir, keine neuen Mitglieder aufzunehmen, bis wir zuerst diese stabile Basis geschaffen haben, in die sich dann neue Mitglieder einfügen können. Lieber so, als, dass sich die Gemeinschaft den individuellen Wünschen von jedem neuen Ankömmling anpasst.
Im Moment denken wir uns, dass wir vielleicht etwa zwei Jahre brauchen, um langsam dieses nötige Fundament zu bilden, bevor wir an das Wachsen dieser kleinen Gemeinschaft in seinen Anfängen, denken können.

Unser Wunsch ist es, uns selber so auszubilden, dass wir hilfreich für unendlich viele Wesen sein können, ohne die Möglichkeiten zu verpassen, anderen unsere Hilfe in einer kleineren Form anzubieten, während wir auf diesem Weg vorwärtsschreiten. Wir sehen das Formen einer monastischen Gemeinschaft als ein hervorragender Weg beides zu tun, zu lernen wie zu geben und zu geben zur gleichen Zeit.Wir lassen es offen für später, was auf diesem Fundament gebildet wird. Zum jetzigen Zeitpunkt ist unser Ziel einfach, daran zu arbeiten, damit wir selber und unsere winzige Gemeinschaft als eine nützliche Plattform zum Wohle anderer in der Zukunft dient.

Eure Heiligkeit, diese Worte wurden gesprochen mit einer Stimme jedoch sind es die Aspirationen von vier Herzen. Wir wertschätzen zutiefst und über jegliche Worte eurer Heiligkeits Unterstützung und bitten, mit unseren Händen gefaltet, dass Sie uns und unsere Gemeinschaft immer in naher Obhut behalten. Bitte führen Sie uns, sodass wir selber und unser gemeinsames monastisches Leben zum besten Wohle der Wesen dienen kann.