Samstag, 16. Mai 2015

Entspannen in der Unsicherheit

Nach diesem zweiten Beben ist die Angst und Sorge in die Gesichter so vieler Menschen geschrieben. Nichts scheint in irgendeiner Weise vorhersagbar zu sein, nichts.
Dies so deutlich und offensichtlich präsentiert zu bekommen und in der Tiefe der Knochen und des Herzens zu spüren ist nicht etwas, dass einfach so weggesteckt werden kann, auch wenn es eigentlich unsere tägliche Situation im Leben ist.
Wo immer wir sind, was immer wir tun, wir haben eigentlich keine Ahnung was in der nächsten Sekunde passieren wird.
Viele, viele Menschen hier, waren während dem ersten Beben am Mittagessen genau wie wir, als in ca. 4 Minuten (so lange hat das erste Beben gedauert) sich ihr Leben total verändert hatte.

Nach zwei einhalb Wochen mit täglichen Nachbeben, begann man sich an die Tatsache zu gewöhnen, dass die Erde noch nicht ganz zur Ruhe gekommen ist, viele von uns versuchten so gut wie möglich wieder in einen Rhythmus zu kommen, Leute begannen sich aufzuraffen und einen Neuanfang zu schaffen oder ihre neue Situation anzunehmen.
Viele von uns begannen wieder drinnen zu übernachten und so waren wir mitten in der Arbeit für unser Online Institute im Gästehaus des Nonnenklosters als ein zuerst vermeintliches Nachbeben sich als ein neues ziemlich heftiges Erdbeben entpuppte.
Zum Glück haben wir uns nach dem ersten Beben schlau gemacht und uns an die Erdbeben-Verhaltensregen gehalten- jedoch ist es schon ein bisschen ein anderes Gefühl im Bauch, wenn man nicht nach draussen gehen kann. Es wird in diesem Moment sehr klar, dass in was man Zuflucht nimmt nur grösser und tiefer, jenseits von aller Materie sein kann.
Nicht nur für uns jedoch für ganz Nepal war dieses zweite Beben viel mehr ein psycho- logischer Schock- eine Alarmglocke welche immer noch nachhallt und die Menschen hier sehr, sehr verunsicherte. Die Frage wie das Leben in diesem Land weitergehen soll hängt in der Luft, grosse Sorgen für die Zukunft machen sich breit.
Ein grosser Schritt nun ist es in dieser Unsicherheit zu entspannen. Das Herz für das Leiden gleich vor der Haustüre zu öffnen, in Kontakt zu sein mit all dem Schmerz, sich zu freuen über all das Gute das sich in Form von grossen Lastwagen voller Hilfsgüter, singenden Jugendlichen (welche für die Dörfer Geld sammeln) und in vielen weiteren kleinen und grösseren mitfühlenden Handlungen offenbart.
Während dieses Beben waren einige Hilfsorganisationen unterwegs und konnten so gleich Vorort anpacken, wie zum Beispiel Rokpa oder die Nepalesische Frauenorganisation.
Jedoch hören wir von vielen Seiten, dass es nach wie vor Dörfer gibt, welche so abgelegen in den Himalayas liegen, dass noch immer keine Hilfe sie erreichen konnten. Die einzigen Strassen sind vielfach komplett beschädigt, was es fast verunmöglicht die Zelte und 50kg Säcke Reis zu verteilen. Jedoch versuchen diese Organisationen wie auch die verschiedenen Klöster so gut es geht, abgelegene Dörfer zu erreichen und liessen sich in ihrer Hilfeleistung durch das zweite Beben nicht aufhalten.

Uns wurde bald klar gemacht, dass ohne Nepali, medizinische Ausbildung und körperlicher Kraft (für lange Fussmärsche mit Gepäck und in der Sonne) wir nicht direkt Hilfe leisten können, dies war für mich zuerst ein bisschen schmerzhaft zu akzeptieren, da das Leiden so nah und omnipräsent ist. Jedoch auch hier, eine grosse Lektion von unserer Situation in dieser kreisenden Existenz: Leiden ist immer präsent, überall, in uns und um uns. Dieser Tatsache ins Auge zu sehen, ohne zu beschönigen oder uns diesem Leiden zu verschliessen ist was uns zu spirituellen KämpferInnen machen kann- komme was wolle, wir müssen das Leiden und seine Ursachen in uns und um uns herum vernichten, endgültig beenden, egal wie lange diese Mission dauern wird; dies ist die Motivation einer Kriegerin des Erwachens.

So sind wir präsent hier, mit offenen Herzen und Ohren, im Kontakt mit den Leuten und versuchen uns in die Lage all unserer Nepalesischen Brüder und Schwestern hineinzuversetzen. Gespräche mit den Taxifahrern und Ladenbesitzern geben uns einen direkten Einblick in das Leiden des Verlusts von Angehörigen, Besitz und Einkommen und nähren den Wunsch zu tun was immer getan werden kann um diesen Menschen kurzfristig und langfristig aus allem Leiden zu befreien.






Samstag, 9. Mai 2015

Helfen, wo Hilfe gebraucht wird

Der folgende Bericht entstand nach einem Besuch in der Organi- sation ROKPA zwei Wochen vor dem Erd- beben.
Im Moment sind die älteren ROKPA Kinder zusammen mit Ehemaligen in voller „Action“ in den Dörfern, in welchen noch viele Leute ohne Hilfe, ohne Essen und ohne medizinische Versorgung ums Überleben kämpfen.
Hier kann mehr nachgelesen werden:



Als erstes begrüsste uns ein kleiner, kranker Hund. Wir erfahren, dass er von Lea Wyler bei der Boudha Stupa in Kathmandu aufgelesen und ins Kinderhaus gebracht wurde. So ein Glück hat dieses kleine Wesen. Nun hat es alle nötigen Behandlungen bekommen, wird von den Kindern  gut umsorgt.
(Leider haben wir vor ein paar Tagen erfahren, dass dieser süsse kleine Kerl nur ein kurzes Leben in der ROKPA Familie hatte, jedoch umringt von Freunden sterben konnte).

Nicht nur dieser kleine Hund sondern auch  57 Kinder und Jugendliche haben das grosse Glück in einem Umfeld von Liebe und Mitgefühl, Verantwortung und Fürsorge aufzuwachsen. Waisenkinder und Kinder verarmter Familien aus Nepal werden im ROKPA Kinderhaus aufgenommen.  Sechs nepalesische Angestellte, teilweise ehemalige Kinder des Kinderhauses, sind verantwortlich für das Wohl der Kinder in diesem Haus zusammen mit den Älteren welche schon früh lernen sich um ihre jüngeren „Geschwister“ zu kümmern
Der junge selbstbewusste jedoch sehr zurückhaltende Mann, Bijay, der uns durch das ROKPA Kinderhaus führte erzählte, dass er Teil der ersten 7 Kinder war, welche Lea aufnahm und wie ihre eigene Kinder umsorgte, eine gute Schule für sie aussuchte und dafür schaute, dass es ihnen vom Essen, über Medizin, elterlicher Wärme und Fürsorge an nichts fehlte. Nun ist Bijay selbst der Manager von dem ROKPA Kinderhaus, und sagt über seinen Werdegang: "Wenn ich heute danach strebe, meine Ziele mit Engagement und Entschlossenheit zu erreichen, erinnere ich mich stets daran, wie sich mein Leben änderte als meine zweite Mutter in mein Leben trat. Nachdem meine leibliche Mutter starb als ich fünf oder sechs Jahre alt war, und mich meine sogenannten Verwandten aussetzten, stand ich kurz davor, ein Taugenichts zu werden. Doch ich wurde von ROKPA aufgegriffen und in eine gute Schule geschickt. Seither habe ich nie zurückgeschaut."

Lea, "Mom" wie sie hier alle liebevoll nennen, hat zusammen mit Akong Rinpoche und ihrem Vater dem Rechtsanwalt Dr. Veit Wyler die Rokpa Organisation vor 35 Jahren gegründet, welche ihre Hauptzentrale in der Schweiz, in Zürich, hat. In diesen letzten drei Jahrzehnten wurden in 17 Ländern Rokpa Zentralen gegründet mit  denselben Zielen: Hilfe anzubieten wo Hilfe gebraucht wird. Der Hauptfokus ist auf Nepal und Tibet gerichtet. Doch werden auch Projekte in Zimbabwe und Südafrika unterstützt. Das Hilfswerk soll Menschen in Not helfen, unabhängig von ihrem politischen, religiösen oder kulturellen Hintergrund. Es ist das Ziel von Rokpa das Umfeld der Menschen zu respektieren und Hilfe Vorort zu leisten. Das Grundprinzip von Rokpa ist: Gebenden und Nehmenden begegnen wir auf Augenhöhe – es gibt kein Unterschied zwischen Wohltäter und Hilfsempfänger, auf den Grundprinzipien der Buddhistischen Lehren basierte. Wie Akong Rinpoche sagte:Es ist wichtig, alle Menschen einschliesslich unserer selbst nicht oberflächlich zu betrachten. Wir sollten die wahre Natur, die Essenz in jedem Lebewesen sehen.“
Es ist diese tiefe Weisheit die es uns erlaubt immer klarer die Gemeinsamkeit von uns allen zu erkennen.

Nach dem lebendigen Einblick im Kinderhaus erzählte uns Lea über ihre Reiseerfahrungen mit Akong Rinpoche. Sie sagte,dass die Projekte meist damit begannen, dass Hilfe angeboten und auf Grund dessen bewusst eine Spendeaktion ins Leben gerufen wurde um das benötige Geld zu erhalten.
So lebte Lea für einige Zeit mit gut 20 Kindern in einer Wohnung in Nepal bis eine Sponsorin das Geld für einen Hausbau spendete. Auch in diesem Moment teilte Lea mit leuchtenden Augen ihr nächste Projekt mit uns: sie möchte Kinder, welche mit „Leim schnüffeln“ hoffen ihr Leben auf der Strasse zu vereinfachen, eine Arbeitsmöglichkeit im Gastgewerbe geben.
Weiter sollen Frauen welche aus sehr armen Verhältnissen kommen und nun mit dem Herstellen von Meditationskissen und anderen Textilien ihre Familien ernähren können einen grösseren Raum bekommen. Das Land sei gekauft (und eben dieses Land hat den ROKPA Kindern und Nachbarn als Schutz gedient während und nach dem Erdbeben)und der Bau werde nächstes Jahr beginnen und das Geld, meinte Lea, naja, das werde dann schon kommen. Tiefes unerschütterliches Vertrauen in das Gute, welches ihr erlaubt vor keinem Projekt mehr zurückzuschrecken.
Eine Inspiration wie Mitgefühl in Handlung umgesetzt werden kann.




Sonntag, 3. Mai 2015

Weiterer Ort für sichere Spende für Nepal und eine Warnung

Wer über Shechen für Nepal spendet wird aufgefordert nur über Paypal einzuzahlen, da sonst das Geld über die Regierung fliesst. Darum, Shechen bittet nur über Paypal einzuzahlen

Ein weiterer sicherer Spende Ort ist die folgende:
Dies wird direkt an die Karma Kagyu Klöster gesendet, welche in die abgelegnen Dörfer gehen und dort Hilfe leisten.
Für: Rigpe Dorje Schweiz 
Vermerk: Soforthilfe Erdbeben
Bank: UBS Bern 
IBAN: CH57 0023 5235 6992 5740 T
          BIC: UBSWCHZH80A

DANKE! 

Freitag, 1. Mai 2015

Spende für Nepal

Unglaublich viele Leute arbeiten hier Tag und Nacht für all die Frauen, Männer, Kinder welche in kürzester Zeit alles, alles verloren haben.
Zwei Organisationen haben wir besucht und wir können sagen, dass diese unglaubliche Arbeit vor Ort leisten- neben vielen, vielen anderen Organisationen.

Die Shechen Mönche haben wir gesehen, mit Helmen, Handschuhen und Megaphon haben sie vor dem Kloster Gruppen organisiert welche in die Dörfer fuhren um dort anzupacken. Nebenbei haben hunderte von Leuten im Vorhof des Klosters ihre Zelte aufgeschlagen oder einfach einen Plastik gespannt um Schutz zu suchen. Eine Klinik mit Krankenschwestern und trainierten Mönchen versorgt die kranken Patienten des Zeltlagers.
http://karuna-shechen.org/news/help-earthquake-victims-in-nepal/

Das Rokpa Kinderhaus hat ihre Kinder in einem Stück unbebauten Land in Sicherheit bringen können. Seit dem Erdbeben kochen und schlafen die Kinder draussen. Viele haben Verwandte in den Dörfern und so ist die Organisation dabei eine Art Nothilfe-Zentrum einzurichten und damit die Lieferung von Hilfsgütern wie Zelten, Medizin und Kleidung zu organisieren. 
http://www.rokpa.org/ch_DE/home.html