Dienstag, 26. Oktober 2010

Schneebergen und Ricolatäfeli

Von einer Nacht auf die andere wurden den Vorhimalayas- die wir hier von unserem Klösterchen aus sehen können- einen weissen Zuckerhut aufgesetzt. Mit grosser Freude machte ich meine Dharmaschwestern auf diesen bezaubernden Anblick aufmerksam und musste feststellen, dass nicht alle die gleiche Begeisterung teilen. Im Gegenteil, einen Tag später bin ich am Kräutertee brauen, Rigolahustentäfeli aus dem hintersten Ecken der geheimen Vorräten ausgraben, Echinaceapastillen und homöopathische Mittel am Verteilen.
Zum Glück sind wir zu viert und wir haben verschiedene Wetterlagen bei denen wir uns gegenseitig Teeli brauen können. Hat es mich Ende Monsun doch ziemlich ins Bett gelegt, kämpfen nun zwei Dharmaschwestern mehr mit der Kälte. Mit den Tipps und Tricks unserer Mütter in unseren Herzen, üben wir uns darin auch in diesen Fällen so gut wie möglich füreinander zu sorgen.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Spieglein, Spieglein...

(Fortsetzung der Herbst-Belehrungen von Gyalwang Karmapa.)Mit einigen Geschichten brachte Gyalwang Karmapa mit viel Humor und Leichtigkeit die tiefgründigen Themen auf den Punkt. So auch in der Geschichte über einen König und seinem Diener. Eines Tages erhaschte der König einen Blick in einem Spiegel und rief aus: „Was ist dies für ein hässliches Gesicht!“ Offensichtlich überzeugt, dass das Problem im Spiegel liegt, entschied der König den Spiegel nicht mehr in die Hand zu nehmen und empfahl dem Diener ebenfalls nicht in den Spiegel zu schauen. Der Diener jedoch sah dies als eine Gelegenheit um dem König sein Leid zu klagen: „Ihre Majestät, Sie haben Ihr Gesicht einmal im Spiegel gesehen und müssen dies nun nie mehr tun. Ich jedoch muss dieses Gesicht die ganze Zeit angucken, Tag für Tag, und werde es auch in der Zukunft ansehen müssen.“
Gyalwang Karmapa fügte dann hinzu, dass genau wie wir in den Spiegel schauen für unsere körperliche Erscheinung, ist es noch von viel grösserer Notwendigkeit einen Spiegel zu haben, der uns erlaubt, unseren eigenen Geist zu sehen.
Wenn wir analysieren, wie die Wut funktioniert, scheinen wir häufig nicht zu verstehen, dass unsere Wahrnehmung von einem Feind da draussen eigentlich von unserer eigenen Haltung von Böswilligkeit kommt und von unserer Gewohnheit den Groll kleiner Begebenheiten zu nähren, erklärte Gyalwang Karmapa. Wenn wir es uns aussuchen uns kontinuierlich in Verletzungen, die uns in der Vergangenheit angetan wurden, zu drehen- meistens Ereignisse die nur einen kleinen Teil dessen andauerten, als wir danach darüber brüten- machen wir uns unsere liebevollen Mutter- und Vater-fühlende Wesen zu unseren Feinden. Als Praktizierende auf dem spirituellen Weg können wir jedoch auf die Verletzung der anderen mit noch grösserem Mitgefühl antworten.

Freitag, 1. Oktober 2010

Zeitgemäss, humorvoll und tiefgründig

Ein bisschen einen Geschmack der letzten Belehrungen von Gyalwang Karmapa möchte ich hier weitergeben. Dieser kleine Einblick in einen Ozean von Weisheit habe ich hauptsächlich aus den Zusammenfassungen auf der Webseite (in Englisch) und von ein paar Worten aus meinen Notizen entnommen.

Gyalwang Karmapa bewies einmal mehr seine Fähigkeit die tiefgründigen Lehren des Buddha in den Kontakt mit unserer Zeit zu bringen. Als er über den Unterschied des Buddhas und unsereins sprach sagte er, dass wir denken mögen, dass Buddhas königlicher Reichtum ihm gewissen Vorteil verlieh, als hätte er Apple Computers angefragt ihm einen speziellen Mac Gehirn herzustellen während wir uns und mit einem Windows XP - Gehirn zufrieden geben müssen. Jedoch ist das Gegenteil der Fall, wir alle teilen den grundsätzlichen Wunsch, glücklich zu sein und Leiden zu vermeiden, während wir jedoch verwirrt darüber sind, wie wir unsere eigenes Glück schaffen, hat der Buddha ganz und gar verstanden, was die wirklichen Ursachen für Glück und Leid sind.

Traditionell wird im Thema des Kultivierens von Bodhichitta über die liebende Güte der Mutter reflektiert. Bevor Gyalwang Karmapa jedoch tiefer in dieses Thema einstieg nahm er zur Kenntnis, dass uns, durch das unterschiedliche kulturelle Gepäck, diese Präsentation etwas befremden kann. Jedoch sollten wir uns nicht sorgen, da wir sicherlich eine Person haben, die uns in diesem Leben ihre liebende Güte zeigte, Vater, Freunde oder sogar unseren Hund oder die liebende Güte die wir uns selber zeigten.
In diesem Zusammenhang beschrieb Gyalwang Karmapa, wie er in seinen ersten Jahren in der er in der abgelegenen Nomadenfamilie aufwuchs, so warm und liebevoll von seiner Mutter umsorgt wurde. Wie sie ihn mit ihrer eigenen Milch nährte und die Wärme ihres eigenen Körpers mit ihm teilte. Von Anfang an begannen wir dieses Leben im Körper unserer Mutter und waren zu beginn sogar ein Teil ihres Fleisch und Blutes.

Obwohl wir tatsächlich so viel liebende Güte von fühlenden Wesen empfangen und eigentlich die Kapazität haben mit anderen im Kontakt zu sein, was ist es denn, das uns hindert? Es ist unsere Selbstbezogenheit die uns in unserem Kontakt mit anderen limitiert. Als würden wir uns selbst in einem Gefängnis gefangen halten, das nur beschränkte Besucherrechte hat, ist es unsere egozentrische Selbstbezogenheit die limitiert, wen wir hereinlassen. So einfach ist die Sache eigentlich, kommentierte Gyalwang Karmapa.
(Fortsetzung der Zusammenfassung folgt...)