Dienstag, 23. November 2010

900 Jahre zum Wohle der Wesen

Am 8. und 9. Dezember wird in Bodhgaya der Auftakt der festlichen Aktivitäten statt finden die für ein Jahr in Indien und überall auf der Welt zelebriert werden. Zelebriert werden die 900 Jahre, in denen der Karmapa auf dieser Erde zum Wohle der Wesen wirkt.

Es schrieb das Jahr 1110 als der erste Karmapa, Düsum Khyenpa, im östlichen Tibet in einer bescheidene Familie geboren wurde. Und es war Düsum Khyenpa, der aus seinem unfassbaren Mitgefühl für alle Wesen die Zukunft des tibetischen Buddhismus formen wird. Durch die grosse Kreativität wie am besten für das Wohl der Wesen gesorgt werden kann- haben die Karmapas immer wieder neue Methoden entwickelt, um möglichst vielen Wesen zu helfen ihr tiefstes Potenzial zur Verwirklichung zu bringen. Der Anfang machte Düsum Khyenpa (was übersetzt soviel heisst wie; der Kenner der drei Zeiten) indem er bewusste Wiedergeburt ins Leben gerufen hatte.
Bodhisattvas- deren einziges Ziel es ist die Wesen zum vollem Erwachen zu führen, haben die Fähigkeit durch ihre Verwirklichung eines gewissen spirituellen Levels, im Todesprozess bei vollem Bewusstsein zu bleiben und somit den Ort und die Form ihrer nächsten Wiedergeburt zu wählen. Je mehr diese Fähigkeit fortgeschritten ist, desto klarer können die Bodhisattvas ihre nächste Wiedergeburt voraussagen.

Obwohl schon zahlreiche Bodhisattvas davor Wesen zum höchsten erwachen verhalfen, war es Düsum Khyenpa, der mit dem zweiten Karmapa, Karma Pakshi (1206-1207), eine Reinkarnationslinie begann, die sich bis heute zum siebzehnten Karmapa, Orgyen Trinley Dorje, fortsetzte. Dieses geschickte Mittel, sich auf diese Weise um seine Schülerinnen und Schüler und die Kontinuität der Linie über den physischen Tod hinaus zu sorgen, wurde von vielen Tibetischen Meistern und auch Meisterinnen (wenige, jedoch gab und gibt es sie) übernommen und ist eine nicht mehr wegzudenkende Basis des Tibetischen Buddhismus.

Somit gibt uns diese 900 Jahres Feier die Gelegenheit über die unglaubliche Güte und unfassbaren Qualitäten dieses grossen Meisters nachzudenken, über unsere limitierten Vorstellungen von Leben, Tod und der Möglichkeit des Geistes hinauszugehen und durch das Wachsen dieser Inspiration und der inneren Überzeugung über unser innewohnendes Potenzial,Verantwortung zu übernehmen, alles in unserer Macht stehende zu tun, um eines Tages auch von so grossem Nutzen für alle Wesen zu sein.

Freitag, 12. November 2010

Hochbetrieb

Fast zwei Wochen ist es her, als Damchö-la mit leuchtenden Augen und einem wunderbaren Strahlen zur Türe unseres kleinen Klösterchen hereinkam und sagte: „Nun halte ich den ganzen Kangyur in meinem Geiste…“.
Anfangs September lud Gyalwang Karmapa Damchö-la ein, bei dem „Lung“ (der mündlichen Übertragung) des Kangyurs (die direkten, wörtlichen Belehrungen von Buddha Shakyamuni- die alle von Sanskrit ins Tibetische übersetzt wurden) mit dabei zu sein. Erst ein paar Tage später realisierten wir was das wirklich hiess; Damchö-la konnte zusammen mit der der Schwester Seiner Heiligkeit als einzige Nonnen und Frauen in einer Gruppe von etwas 15 Leuten diese mündliche Übertragung der Worte Buddhas von Sangye Nyingpa Rinpoche erhalten. Für zwei Monate fuhr sie dann ein bis zwei Mal pro Tag für drei Stunden ins Gyuto Kloster um zusammen mit Gyalwang Karmapa, Gyaltsap Rinpoche, Khamtrul Rinpoche, etc. diese Perlen von Dharma in sich einsinken zu lassen und so die Verbindung zu den Lehren Buddhas auf eine Weise zu vertiefen, die weit über dieses Leben reichen wird.

Wir drei wurden zu einem „Support-Team“, sodass Damchö-la all diesen Aktivitäten nachgehen konnte und kann. Denn genau in dieser Zeit beauftragte Gyalwang Karmapa Damchö-la ein ziemlich grosses Buchprojekt für die 900 Jahr- Feier der Karmapas. Sei es mit Kochen, Waschen, Schiatsu-Massage, Email-Verkehr etc. unterstützen wir nun so gut wir können dieses wunderbare Projekt. Daneben sind meine beiden Mexikanischen Schwestern in ihrem Abschluss der Übersetzung des Milarepa Schauspiels, Nangpel-la auch in der Überarbeitungsphase der spanischen Übersetzung des Buches: „Die Reise auf dem Pfad des Mitgefühls“ von Gyalwang Karmapa, Drölma-la hilft zwei mexikanischen Freunden alles für ihre Indienreise zu organisieren und ich versuche Damchö-la mit kleinen Arbeiten hier und da zu unterstützen. Somit ist ein ziemlicher Hochbetrieb hier im Haus- ein Endspurt um dann uns für die vier Monate auf Mönlam in Bodhgaya und Studium in Nepal zu konzentrieren.
Die formale Praxis ist für mich die Säule, die all dieses mehr nach aussen beschäftigt sein hält und jeden Tag wieder einen (meist) stabilen Boden legt auf dem kommt was kommen will und die Motivation für all die Arbeiten auf eine grössere Perspektive richtet, als das sichtbare Resultat in Form von abgehäkelten Listen.