Dienstag, 29. November 2011

Ein ganzes Leben in einem Tag

Wenn wir am Abend über unseren vergangenen Tag reflektieren, ist es nicht ungewöhnlich, dass wir Mühe haben, uns an alles zu erinnern; Was haben wir gegessen? Wer hat uns telefoniert? Was habe ich am Morgen gemacht? Wie sind nur diese Stunden verschwunden?
Wenn wir dann genau hingucken, stellen wir fest, dass wir die meiste Zeit entweder in der Zukunft und in all den Tasks die noch vor uns liegen sind oder der Vergangenheit nachhängen, jedoch ganz selten ganz da- im jetzigen Moment- sind.
Wenn wir frühstücken, denken wir, was für eine Arbeit heute ansteht, wenn wir Arbeiten überlegen wir, was wir am Feierabend machen wollen und wenn wir zuhause ankommen fragen wir uns, was es wohl für ein Nachtessen gibt und wenn wir zu Bett gehen machen wir in unserem Kopf schon die Taskliste für den nächsten Tag- so rennen die Tage und Jahre dahin und plötzlich heisst es; nächster Task, sterben. Wie können wir unser Leben sinnvoll leben, wenn wir nicht einmal da sind, wenn unser Leben statt findet: im jetzigen Moment?

Gyalwang Karmapa gab in einer Unterweisung eine wunderbare Übung, um diesen Geist mehr in den jetzigen Moment zu bringen und somit unser Leben in jedem Moment sinnvoll zu gestalten:
Ein ganzes Leben in einem Tag leben.
Jede Morgen wenn wir aufwachen, können wir uns vorstellen, dass wir ein neues Leben beginnen. Wir verbinden uns mit dem freudvollen Gefühl, dass wir eine neue Chance haben ein ganzes Leben zu leben. Wir formulieren den starken Wunsch, dass wir ganz präsent sein und jeden Augenblick dieses Lebens nutzen wollen um mehr Frieden, Gleichmut, Liebe, Wohlwollen, Mitgefühl, Toleranz etc. in unserem Herzensgeist zu kultivieren.
Durch den Tag hindurch, brauchen wir Hilfsmittel zum „Aufwachen“, die uns erinnern, dass dieser Tag unser ganzes Leben ist und die uns helfen unseren Herzensgeist und unsere Handlungen wieder auszurichten und somit wieder in die Präsenz zu bringen und mit dem Gefühl zu verbinden, wie wir dieses Leben verbringen wollen.
Eine gute Hilfe können Post It Zettel sein, die wir an gut sichtbare Plätze kleben, mit Worten drauf die uns erinnern oder ein Bild neben dem Computer, oder ein Alarm im Mobile oder...
Am Abend, bevor wir zu Bett gehen reflektieren wir, wie wir dieses Leben gelebt haben. Wir freuen uns über jeden Moment in dem wir uns zurück in den Augenblick gebracht hatten und den wir sinnvoll genutzt haben, in Einklang mit unseren Wünschen. Wir lassen den Herzensgeist einen Moment ruhen in grosser Zufriedenheit. Dann überlegen wir, wann wir verloren waren in der Vergangenheit oder Zukunft und somit in diesem Leben die Chance verpassten, die heilsamen Qualitäten des Geistes zu kultivieren. Wir formulieren den starken Wunsch, dass falls wir wieder eine Chance bekommen ein Leben zu leben, wir werden diese Chance packen und uns verbessern. Wir lassen den Geist einen Moment in diesem Versprechen ruhen. Dann lassen wir alle Gedanken über Vergangenheit und Zukunft wieder los und stellen uns vor, dass wir sterben.
Eine Übung, die nicht den Sinn hat, uns Druck aufzusetzen oder deprimiert zu machen, jedoch eine Möglichkeit ist, das Potenzial unseres Lebens in jedem Augenblick voll und ganz auszuschöpfen, freudvoll und offen jedem Moment neu zu begegnen und ihn für das kultivieren der heilsamen Qualitäten zu nutzen.

Freitag, 11. November 2011

Erklärung des 17. Gyalwang Karmapa

Sicherlich haben die Nachrichten der sich verbrennenden Tibeter und Tibeterin eure Herzen genauso erschüttert wie unsere, und viele Fragen aufgeworfen...

Hier eine Presseerklärung des 17. Karmapa, Ogyen Trinley Dorje, 9. November 2011

Seit März dieses Jahres haben sich elf mutige Tibeter in Brand gesetzt während sie nach Freiheit in Tibet und der Rückkehr des Dalai Lama in sein Heimatland riefen. Diese verzweifelten Taten, begangen von Menschen mit reiner Motivation, sind ein Aufschrei gegen das Unrecht und die Unterdrückung, unter der sie leben. Die Situation ist unerträglich schwierig, aber in schwierigen Situationen brauchen wir größeren Mut und Entschlossenheit. Jede Nachricht über eine Selbstverbrennung in Tibet hat mein Herz mit Schmerz erfüllt. Die meisten derjenigen, die gestorben sind, waren sehr jung. Vor ihnen stand eine lange Zukunft, standen Gelegenheiten, etwas beizutragen, die jetzt vergeben sind. Nach der buddhistischen Lehre ist das Leben wertvoll. Um irgendetwas Sinnvolles erreichen zu können, müssen wir unser Leben bewahren. Wir Tibeter sind nur wenige, also ist auch jedes Leben für die Sache Tibets von Wert. Obwohl die Situation schwierig ist, müssen wir lange leben und stark bleiben, ohne den Blick für unsere langfristigen Ziele zu verlieren. Wie Seine Heiligkeit der Dalai Lama gesagt hat, sollte sich die chinesische Führung den wahren Gründen für diese tragischen Vorfälle stellen. Solche drastischen Taten haben ihre Ursache in den verzweifelten Umständen, unter den die Tibeter leben müssen. Eine rücksichtslose Reaktion wird die Dinge nur verschlimmern. Wo Furcht ist, dort kann kein Vertrauen sein. Seine Heiligkeit der Dalai Lama hat unterstrichen, dass die Anwendung von Gewalt kontraproduktiv ist; unterdrückerische Massnahmen können niemals Einheit und Stabilität schaffen. Ich stimme mit ihm überein,dass die chinesische Führung ernsthaft ihre Politik gegenüber den Tibetern und anderen Minderheiten überprüfen muss. Ich appelliere an diejenigen auf der ganzen Welt, die im Sinne des Rechts denken und Freiheit lieben, uns zu folgen und die Unterdrückung in den Klöstern in Tibet zu verurteilen, insbesondere in den tibetischen Regionen in Sichuan. Gleichzeitig appelliere ich an die chinesische Regierung, die legitimen Forderungen der Tibeter nach einem ernsthaften Dialog mit ihnen zu folgen, anstatt auf brutale Weise zu versuchen, sie zum Schweigen zu bringen.
Weil die Tibetfrage Wahrheit und Gerechtigkeit betrifft, haben Menschen keine Furcht, ihr Leben aufzugeben, aber ich bitte die Menschen in Tibet, ihr Leben zu wahren und andere, konstruktive Wege zu finden, um für die Sache Tibets einzutreten. Es ist mein Herzenswunsch, dass die Mönche und Nonnen, in der Tat alle Menschen in Tibet, lange leben mögen, frei von Furcht, in Frieden und Glück.

Ogyen Trinley  Dorje17th Gyalwang Karmapa

Donnerstag, 3. November 2011

Klopfen und Hämmern

Es hämmert und klopft über unseren Köpfen. Nachdem der Besitzer unseres Hauses- der in New York lebt- die Fotos seines Hauses gesehen hat (die wir nach dem Monsun geschickt haben), ging es nicht mehr als drei Tage und ein Freund der Familie mit einem Architekt kam auf Besuch. Nun wird das Dach repariert und Monsun tüchtig gemacht. Wir sind sehr dankbar, werden diese Reparaturen nun vorgenommen- wir waren nicht mehr so sicher wie dieses Haus sonst einen 4ten Monsun überlebt hätte...
Wie so häufig, kam dann letzte Woche alles zusammen, so haben wir ein Hämmern und Klopfen auf dem Dach und das Wasser wollte für drei Tage grad auch nicht mehr kommen. Jedoch langsam gewöhnt, dass Indien immer wieder neue Überraschungen bereit hat, machten wir uns ans Wasserschleppen und mussten zugeben, dass ein bisschen Bewegung für unsere Körper eigentlich doch sehr gut ist. Wir waren dann aber doch nicht so traurig, als die Wasserröhren geflickt und somit das Wasser wieder aus dem Wasserhahn floss.
Weiter durften wir letzte Woche Gelongma Jampa Sangmo zu uns auf Besuch haben. Venerable Jampa war eine der Nonnen, die ich noch vor meiner Ordination kennen lernen durfte. Sie war dann in Thösamling anwesend, als ich dihttp://www.blogger.com/img/blank.gifeses grosse Glück hatte, die Rabjung Ordination (Ordination vor der Novizinnenordination) zu nehmen. Noch als ich in Thösamling studierte, reiste sie für eine Weile zurück nach Europa, ist nun jedoch wieder für eine Zeit im Lande.
Venerable Jampa half uns einen Praxistext tiefer zu verstehen und bei Mexikanischen Bohnen mit Reis und Gemüse tauschten wir unsere Erfahrungen der letzten Monate, ja fast Jahre, aus.
Nächstes Wochenende sollte dann unsere Ältere, die Ehrwürdige Damchö-la hier in Dharamsala ankommen, nachdem sie ein Projekt in der USA beenden konnte und ganz viele neue in verschiedenen Ländern ins Rollen brachte. Wer Spanisch spricht, kann auf der folgenden Webseite einige dieser Projekte gleich selber anschauen:http://www.facebuda.com/
So viel im Moment aus der Dharmadattā Nonnengemeinschaft...

Mittwoch, 2. November 2011

Blinder Glaube

In den nächsten Monaten möchte ich gerne jeden Monat einen Rat aus dem Buch "Die Zukunft ist Jetzt" hier auf den Blog laden.
Der 17th Gyalwang Karmapa Ogyen Trinley Dorje teilt in diesem Buch zeitgenössische Ratschläge mit uns, wie jeder einzelne von uns eine harmonischere und mitfühlendere Zukunft mitgestalten kann.

In etwas zu vertrauen, ohne klar zu sehen ob es hilfreich ist oder nicht, ist blinder Glaube.
Er behindert die Entwicklung der Weisheit.