Vergeben

Nordirland vor mehr als dreissig Jahren; bittere Kämpfe, viel Gewalt, viele Menschen wurden getötet. In dieser düsteren Zeit in Derry, war der 10-jährige Richard Moor auf dem Heimweg von der Schule. Es war nichts Ungewöhnliches, dass die Polizeistation, an der er auf seinem Schulweg vorbeiging, in Kämpfen verwickelt war, doch an jenem Tag veränderte diese Situation sein Leben. Eine Kugel traf den Knaben zwischen den Augen. Wie er selbst erzählte, waren die Folgen nicht die schlimmsten verglichen mit denen die zuerst vorausgesagt wurden, weder der Tod traf ein, noch wurde sein Hirn geschädigt, jedoch musste er akzeptieren, dass er nicht mehr sehen wird. Nachdem er eine Nacht weinend verbrachte, traurig, das Gesicht seiner Eltern nie mehr zu sehen, akzeptierte er diese Tatsache seiner Blindheit erstaunlich schnell. Keinen Augenblick fühlte er Hass oder Wut auf den Soldaten, der die Kugel abfeuerte. Er beschreibt selbst, dass er erkannte, dass er eine Wahl hatte; entweder sich von Wut auffressen zu lassen und ein Leben in Elend zu führen oder zu vergeben und etwas Gutes aus dieser Situation zu machen. So beendete er alle Studien, hat Familie, startete eine Karriere und gründete eine Organisation für Kinder in der Welt, die genau wie er, zwischen das Kreuzfeuer geraten („children in crossfire“),
Dieser Mann, der ein wahres Vorbild ist, wie man eine schwierige Situation in etwas Heilsames für die Welt transformieren kann, wurde von Seiner Heiligkeit den Dalai Lama- nach einem ersten Zusammentreffen in Derry vor 10 Jahren nach Dharamsala eingeladen. Diesen Mai konnte Richard Moore der Einladung folgen. Am 6. Mai stellte SH der Dalai Lama Richard Moore den Schülerinnen und Schüler von TCV (Tibetisches Kinder Dorf, der Schule für Tibetische Kinder) und vielen Interessierten vor. Doch es war nicht nur Richard Moore, der mit seiner Präsenz uns alle sehr erfreute, auch Charles Inness, der Soldat, der die Kugel abfeuerte, berührte unsere Herzen. Etwa vier Jahre ist es her, als Richard Moore Kontakt mit Charles Inness aufnahm und sich daraus eine wunderbare Freundschaft entwickelte.
So sassen die Drei in TCV, links Richard Moore, rechts Charles Inness und in der Mitte SH Dalai Lama, der die beiden Männern an den Händen hielt, während sie ihre Geschichte erzählten. Der Dalai Lama betonte, wie sehr Richard Moore für ihn ein Held sei, der uns zeigt, was Vergeben wirklich heisst, wie glücklich vergeben machen kann und wie man Mitgefühl in Handlung umsetzen kann. Einmal mehr betonte Seine Heiligkeit, dass die Unruhestifter, die verhindern, dass wir Frieden auf dieser Welt haben können, nicht ausserhalb sondern in unserem Geist als die täuschenden Emotionen wie Wut, Stolz, Eifersucht etc. anzutreffen sind.
Vergeben können, ist somit ein Schritt in die Richtung Frieden, der- wie Richard Moore sagte- nicht die Vergangenheit ändert, jedoch die Zukunft.
Voller Freude, dass ein solches Treffen möglich war, sagte SH der Dalai Lama: „Wie ist es doch wunderbar zu sehen, dass derjenige der gelitten und derjenige der das Leiden verursacht hatte, wahre Freunde werden. Diese echte Freundschaft und Glücklichkeit basiert auf Versöhnung.“

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