Montag, 7. März 2016

Schwerwiegender Verlust für Tibet als Ganzes

Eine eindringliche Bitte an seine Tibetische Landsleute vom Gyalwang Karmapa:

"Diese Woche haben sich zwei junge tibetische Kinder, eines in Tibet und eines in Indien, durch Selbstverbrennung getötet. Diese Geschehnisse schmerzen mich zutiefst. Ich konnte es nicht ertragen, daran zu denken, als ich die Nachrichten hörte, und darum möchte ich meine tibetischen Landsleute, daheim in Tibet wie im Ausland, um etwas bitten.

Von 2009 an bis heute haben fast 150 Tibeter in Tibet selbst wie auch außerhalb Tibets ihre eigenen kostbaren Körper zum Brandopfer gemacht, und so in stärkst-möglicher Form ein Statement gemacht. Doch weder in der internationalen Gemeinschaft noch in irgendeinem anderen einzelnen Land  hat jemand die Sorge gezeigt, die eine solche Handlung garantieren sollte, weder Respekt für den Wert ihrer Leben noch irgendein Interesse an der Situation und den sehnsüchtigen Bestrebungen, die sie dazu brachten, sich selbst zu verbrennen.

Innerhalb der tibetischen Gesellschaft zollen wir ihnen einige Tage lang Beifall, und sagen: „ Er ist ein Held“, „Sie ist eine Heldin“, oder „Das ist unglaublich!“.  Doch das hilft nichts. Es ist wichtig, den körperlichen Schmerz jener, die sich selbst anzünden und das mentale Leiden der Verwandten, die sie zurücklassen, zutiefst zu erwägen und zu erfassen, und zu bedenken, ob dies Tibet helfen oder schaden wird – unmittelbar, in kurzer Zeit oder auf lange Sicht.

Als tibetischer Mitbürger bitte ich alle, damit fortzufahren ein gute und gesundes leben zu führen. Es ist von kritischer Bedeutung, dass jeder einzelne individuelle Tibeter am Leben bleibt, um das Land und die Menschen Tibets zu bewahren. Insbesondere waren die meisten von ihnen, die sich verbrannt haben, junge Menschen. Sie sind unsere Hoffnung und das Lebensblut der Zukunft. Diese ständige Ausgabe an Leben ist ein schwerwiegender, erschöpfender Verlust für Tibet als Ganzes.

Um des Heimatlandes Zukunft willen und um die Härten und Bedrängnis unseres Volkes zu lindern, sollten wir jeden einzelnen Atemzug schätzen. Nutzt jede einzelne Stunde oder Minute gut. Wir sollten unter unserem Volk Harmonie schaffen, unser Gemeinschaftsgefühl verbessern und engstirniges Anhaften an alten Wegen aufgeben. Wir benötigen deutliche Ergebnisse in unserem - sowohl traditionellem wie modernem - Erziehungswesen. Ich denke, dass, sobald das tibetische Volk in der Lage ist, auf seinen eigenen Beinen zu stehen, wir fähig sein werden, unsere Kernanliegen, unsere grundlegenden Bestrebungen und Hoffnungen zu erfüllen.

ཀརྨ་པ་ཨོ་རྒྱན་ཕྲིན་ལས་པས། 
སྤྱི་ལོ་ ༢༠༡༦ ཟླ་ ༣ ཚེས་ ༤ ལ་ཕུལ།
Karmapa Ogyen Trinley Dorje

March 4, 2016

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