Erklärung des 17. Gyalwang Karmapa

Sicherlich haben die Nachrichten der sich verbrennenden Tibeter und Tibeterin eure Herzen genauso erschüttert wie unsere, und viele Fragen aufgeworfen...

Hier eine Presseerklärung des 17. Karmapa, Ogyen Trinley Dorje, 9. November 2011

Seit März dieses Jahres haben sich elf mutige Tibeter in Brand gesetzt während sie nach Freiheit in Tibet und der Rückkehr des Dalai Lama in sein Heimatland riefen. Diese verzweifelten Taten, begangen von Menschen mit reiner Motivation, sind ein Aufschrei gegen das Unrecht und die Unterdrückung, unter der sie leben. Die Situation ist unerträglich schwierig, aber in schwierigen Situationen brauchen wir größeren Mut und Entschlossenheit. Jede Nachricht über eine Selbstverbrennung in Tibet hat mein Herz mit Schmerz erfüllt. Die meisten derjenigen, die gestorben sind, waren sehr jung. Vor ihnen stand eine lange Zukunft, standen Gelegenheiten, etwas beizutragen, die jetzt vergeben sind. Nach der buddhistischen Lehre ist das Leben wertvoll. Um irgendetwas Sinnvolles erreichen zu können, müssen wir unser Leben bewahren. Wir Tibeter sind nur wenige, also ist auch jedes Leben für die Sache Tibets von Wert. Obwohl die Situation schwierig ist, müssen wir lange leben und stark bleiben, ohne den Blick für unsere langfristigen Ziele zu verlieren. Wie Seine Heiligkeit der Dalai Lama gesagt hat, sollte sich die chinesische Führung den wahren Gründen für diese tragischen Vorfälle stellen. Solche drastischen Taten haben ihre Ursache in den verzweifelten Umständen, unter den die Tibeter leben müssen. Eine rücksichtslose Reaktion wird die Dinge nur verschlimmern. Wo Furcht ist, dort kann kein Vertrauen sein. Seine Heiligkeit der Dalai Lama hat unterstrichen, dass die Anwendung von Gewalt kontraproduktiv ist; unterdrückerische Massnahmen können niemals Einheit und Stabilität schaffen. Ich stimme mit ihm überein,dass die chinesische Führung ernsthaft ihre Politik gegenüber den Tibetern und anderen Minderheiten überprüfen muss. Ich appelliere an diejenigen auf der ganzen Welt, die im Sinne des Rechts denken und Freiheit lieben, uns zu folgen und die Unterdrückung in den Klöstern in Tibet zu verurteilen, insbesondere in den tibetischen Regionen in Sichuan. Gleichzeitig appelliere ich an die chinesische Regierung, die legitimen Forderungen der Tibeter nach einem ernsthaften Dialog mit ihnen zu folgen, anstatt auf brutale Weise zu versuchen, sie zum Schweigen zu bringen.
Weil die Tibetfrage Wahrheit und Gerechtigkeit betrifft, haben Menschen keine Furcht, ihr Leben aufzugeben, aber ich bitte die Menschen in Tibet, ihr Leben zu wahren und andere, konstruktive Wege zu finden, um für die Sache Tibets einzutreten. Es ist mein Herzenswunsch, dass die Mönche und Nonnen, in der Tat alle Menschen in Tibet, lange leben mögen, frei von Furcht, in Frieden und Glück.

Ogyen Trinley  Dorje17th Gyalwang Karmapa

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