Freitag, 16. Dezember 2011

Kleines Update

Schon morgen landet meine Mutter hier, im nahegelegenen Flughafen „Kangra“. Ich und meine Nonnenschwestern mit mir, freuen uns auf ihr Ankommen. Sie wird nun das erste Mal sehen, wo unsere Gemeinschaft zuhause ist.
Am Montag beginnen dann schon die Unterweisungen von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama in Namgyal Tempel.
Am 21. Dezember fahren wir über Nacht nach Delhi. Dort beginnen am 23. Dezember die dreitägigen Feierlichkeiten des Karmapa900-Jahres (Siehe Eintrag vom 4.Dez.) Auf dieser Webseite könnt ihr alle mit dabei sein.
Gemeinsam- das heisst; die Mexikanischen Nonnenschwestern, meine Mutter und ich- fliegen wir nach Nepal um dort eine Woche Pilgerreise zu geniessen. Die letzten Tage werden wir in Pullahari Kloster ausklingen lassen und nachdem meine Mutter am Dritten wieder zurück in die Schweiz fliegt werden wir am nächsten Tag ganz in unsere Studien eintauchen. Für zwei Monate werden wir in Pullahari Buddhistische Philosophie (wir werden den Text vom letzten Jahr „Uma Kyen“ fortsetzen) und Tibetische Sprache studieren. Nach einem kleinen Unterbruch haben wir auch dieses Jahr das Glück an dem Meditationskurs teilnehmen zu können.
Genährt mit all dem grossen, wunderbaren Reichtum, werden wir wieder zurück nach Indien reisen.
Dies mal so ein kleines Update aus unserer Gemeinschaft.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Sei ein Kind der Illusion

Ganz im Jetzt präsent zu sein, kann uns mit der Qualität des Übungssatzes (aus dem Geistestraining)„Sei ein Kind der Illusion“ vertraut machen.
Eine inspirierende Geschichte dazu, aus dem Buch “Beginne wo du bist” von Pema Chödrön:

... Ein nordamerikanischer Indianer hatte den Namen Ishi, was in seiner Sprache „Person“ oder „Mensch“ heisst. Er ist ein gutes Beispiel dafür, was es bedeutet, ein Kind der Illusion zu sein. Ishi lebte Anfang dieses Jahrhunderts in Nordkalifornien. Sein ganzer Stamm war systematisch ausgerottet worden, gejagt wie Kojoten oder Wölfe. Ishi war der einzige Überlebende. Er hatte lange ganz allein gelebt. Niemand weiss genau warum, aber eines Tages tauchte er in der Dämmerung in Oroville, Kalifornien, auf. Da stand er nun, der nackte Mann. Die Leute zogen ihm schnell ein paar Kleider über und brachten ihn ins Gefängnis, bis das Büro für indianische Angelegenheiten ihnen mitteilte, was sie mit ihm tun sollten. Die Nachricht erschien auf den Titelseiten der Zeitungen in San Francisco, und so erfuhr ein Anthropologe namens Alfred Kroeber davon.
Ein Anthropologentraum war wahr geworden. Dieser Eingeborene hatte sein Leben in der Wildnis zugebracht, und man würde von ihm erfahren können, wie sein Stamm gelebt hatte. Ishi wurde mit der Eisenbahn nach San Francisco gebracht, in eine ihm völlig fremde Welt, wo er den Rest seines Lebens – anscheinend recht glücklich – verbrachte. Ishi schien vollkommen erwacht zu sein. Er war voll und ganz zu Hause in sich selbst und in der Welt, auch als sie sich fast von einem Moment auf den anderen auf dramatische Weise veränderte.
Als man ihn nach San Francisco brachte, war er zum Beispiel ganz beglückt, in Anzug und Schlips gekleidet worden zu sein, aber die Schuhe trug er in der Hand, weil er die Erde immer noch lieber direkt unter seinen Fusssohlen spüren wollte. Er hatte wie ein Steinzeitmensch gelebt und sich aus Angst, umgebracht zu werden, immer versteckt. Kurz nach seiner Ankunft in der Stadt wurde er zu einer offiziellen Dinnerparty mitgenommen. Ohne sich durch dieses ungewohnte Ritual verwirren zu lassen, sass er da und beobachtete alles, und dann ass er genauso wie die anderen. Er war ständig am Staunen, neugierig auf alles und anscheinend weder ängstlich noch vergrämt, sondern völlig offen.
Als Ishi nach San Francisco gebracht werden sollte und auf dem Bahnsteig stand, trat er, als der Zug kam, so schnell hinter einen Pfeiler, dass kaum jemand es mitbekam. Als die anderen es bemerkten, winkten sie ihn herbei und stiegen mit ihm in den Zug. Später erzählte Ishi Kroeber, dass er und die anderen Mitglieder seines Stammes beim Anblick eines Zuges ihr Leben lang geglaubt hatten, dies sei ein menschenfressender Dämon, weil er sich so unheimlich durch die Gegend schlängelt und Rauch und Feuer spuckte. Als Kroeber das hörte, fragte er ehrfürchtig: „Woher hast du den Must genommen, einfach in den Zug einzusteigen, der dir doch wie ein Dämon vorkam?“ Darauf antwortete Ishi ganz schlicht: „Mein Leben hat mich gelehrt, mehr neugierig als ängstlich zu sein.“ Sein Leben hat ihn gelehrt, was es heisst, ein Kind der Illusion zu sein.

Lasst uns Kinder der Illusion sein und uns mit grossem Staunen den auftauchenden Situationen und Erfahrungen zu öffnen, furchtlos und neugierig.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Karmapa 900 Dehli 23.-25. Dezember 2011

Alte Weisheit - Moderne Welt
Dharma-Unterweisungen von Seiner Heiligkeit dem 17. Gyalwang Karmapa.

Live Webcast mit deutscher Übersetzung.

Anlässlich der Feier und Würdigung der 900-jährigen Reinkarnationslinie der Karmapas, die mit dem ersten Karmapa Düsum Khyenpa (1110-1193) ihren Anfang nahm, leitet das "Karmapa 900 Organisationskomitee" in diesem Großen Karmapa-Gedenkjahr in Delhi vom 23. bis 25. Dezember dreitägige Feierlichkeiten.

Während diese dreitägigen 900-Jahre-Karmapa-Feiern in Dehli wird Seine Heiligkeit der 17. Gyalwang Karmapa Ogyen Trinley Dorje Dharma-Unterweisungen zum Thema Thema "Alte Weisheit - Moderne Welt" geben. Diese Festlichkeiten beinhalten auch eine Langlebens-Einweihung und kulturelle Veranstaltungen.

Als Ausdruck der Wertschätzung des Ursprungs der Karma-Kagyü-Linie in Indien finden Live- Aufführungen heiliger Sanskrit-Dohas statt. Zusätzlich wird die bekannte Exil-Tibetische Kunst-und-Schauspielgruppe TIPA eine einmalige Gala-Aufführung geben, einschließlich der Aufführung eines Liedes, das Seine Heiligkeit der 17. Karmapa während seiner Flucht aus Tibet nach Indien komponierte.
Die Dharmaunterweisungen und das kulturelle Programm werden im Webcast live gesendet und von Anila Djamjang Lhamo in auf Deutsch übersetzt. Wenn Ihnen eine persönliche Teilnahme am Karmapa 900 Dehli nicht möglich ist, sind sie herzlich eingeladen, über das Internet an diesem Ereignis mit uns zusammen teilzunehmen.
Das Webcast für diese obengenannten Liveuebertragungen beginnt am 23.12.2011 und wird über folgende Seite erreichbar sein.

Im Frühjahr 2012 wird es dann noch eine End-Zeremonie geben, welche die ausgedehnten Feiern des 900 Jahre Gedenkjahres zu einem freudigen und glücksverheißenden Abschluss bringen wird.

Freitag, 2. Dezember 2011

Wie urteilen

Um festzustellen, ob etwas hilfreich ist oder schädlich, ziehe auch den langfristigen Effekt in Erwägung und nicht nur das teilweise und unmittelbare Resultat. Untersuche die Zusammenhänge gründlich und lass dich nicht von den Erscheinungen zum Narren halten.
(aus: "Die Zukunft ist Jetzt" von dem 17. Gyalwang Karmapa, Ogyen Trinley Dorje)

Dienstag, 29. November 2011

Ein ganzes Leben in einem Tag

Wenn wir am Abend über unseren vergangenen Tag reflektieren, ist es nicht ungewöhnlich, dass wir Mühe haben, uns an alles zu erinnern; Was haben wir gegessen? Wer hat uns telefoniert? Was habe ich am Morgen gemacht? Wie sind nur diese Stunden verschwunden?
Wenn wir dann genau hingucken, stellen wir fest, dass wir die meiste Zeit entweder in der Zukunft und in all den Tasks die noch vor uns liegen sind oder der Vergangenheit nachhängen, jedoch ganz selten ganz da- im jetzigen Moment- sind.
Wenn wir frühstücken, denken wir, was für eine Arbeit heute ansteht, wenn wir Arbeiten überlegen wir, was wir am Feierabend machen wollen und wenn wir zuhause ankommen fragen wir uns, was es wohl für ein Nachtessen gibt und wenn wir zu Bett gehen machen wir in unserem Kopf schon die Taskliste für den nächsten Tag- so rennen die Tage und Jahre dahin und plötzlich heisst es; nächster Task, sterben. Wie können wir unser Leben sinnvoll leben, wenn wir nicht einmal da sind, wenn unser Leben statt findet: im jetzigen Moment?

Gyalwang Karmapa gab in einer Unterweisung eine wunderbare Übung, um diesen Geist mehr in den jetzigen Moment zu bringen und somit unser Leben in jedem Moment sinnvoll zu gestalten:
Ein ganzes Leben in einem Tag leben.
Jede Morgen wenn wir aufwachen, können wir uns vorstellen, dass wir ein neues Leben beginnen. Wir verbinden uns mit dem freudvollen Gefühl, dass wir eine neue Chance haben ein ganzes Leben zu leben. Wir formulieren den starken Wunsch, dass wir ganz präsent sein und jeden Augenblick dieses Lebens nutzen wollen um mehr Frieden, Gleichmut, Liebe, Wohlwollen, Mitgefühl, Toleranz etc. in unserem Herzensgeist zu kultivieren.
Durch den Tag hindurch, brauchen wir Hilfsmittel zum „Aufwachen“, die uns erinnern, dass dieser Tag unser ganzes Leben ist und die uns helfen unseren Herzensgeist und unsere Handlungen wieder auszurichten und somit wieder in die Präsenz zu bringen und mit dem Gefühl zu verbinden, wie wir dieses Leben verbringen wollen.
Eine gute Hilfe können Post It Zettel sein, die wir an gut sichtbare Plätze kleben, mit Worten drauf die uns erinnern oder ein Bild neben dem Computer, oder ein Alarm im Mobile oder...
Am Abend, bevor wir zu Bett gehen reflektieren wir, wie wir dieses Leben gelebt haben. Wir freuen uns über jeden Moment in dem wir uns zurück in den Augenblick gebracht hatten und den wir sinnvoll genutzt haben, in Einklang mit unseren Wünschen. Wir lassen den Herzensgeist einen Moment ruhen in grosser Zufriedenheit. Dann überlegen wir, wann wir verloren waren in der Vergangenheit oder Zukunft und somit in diesem Leben die Chance verpassten, die heilsamen Qualitäten des Geistes zu kultivieren. Wir formulieren den starken Wunsch, dass falls wir wieder eine Chance bekommen ein Leben zu leben, wir werden diese Chance packen und uns verbessern. Wir lassen den Geist einen Moment in diesem Versprechen ruhen. Dann lassen wir alle Gedanken über Vergangenheit und Zukunft wieder los und stellen uns vor, dass wir sterben.
Eine Übung, die nicht den Sinn hat, uns Druck aufzusetzen oder deprimiert zu machen, jedoch eine Möglichkeit ist, das Potenzial unseres Lebens in jedem Augenblick voll und ganz auszuschöpfen, freudvoll und offen jedem Moment neu zu begegnen und ihn für das kultivieren der heilsamen Qualitäten zu nutzen.

Freitag, 11. November 2011

Erklärung des 17. Gyalwang Karmapa

Sicherlich haben die Nachrichten der sich verbrennenden Tibeter und Tibeterin eure Herzen genauso erschüttert wie unsere, und viele Fragen aufgeworfen...

Hier eine Presseerklärung des 17. Karmapa, Ogyen Trinley Dorje, 9. November 2011

Seit März dieses Jahres haben sich elf mutige Tibeter in Brand gesetzt während sie nach Freiheit in Tibet und der Rückkehr des Dalai Lama in sein Heimatland riefen. Diese verzweifelten Taten, begangen von Menschen mit reiner Motivation, sind ein Aufschrei gegen das Unrecht und die Unterdrückung, unter der sie leben. Die Situation ist unerträglich schwierig, aber in schwierigen Situationen brauchen wir größeren Mut und Entschlossenheit. Jede Nachricht über eine Selbstverbrennung in Tibet hat mein Herz mit Schmerz erfüllt. Die meisten derjenigen, die gestorben sind, waren sehr jung. Vor ihnen stand eine lange Zukunft, standen Gelegenheiten, etwas beizutragen, die jetzt vergeben sind. Nach der buddhistischen Lehre ist das Leben wertvoll. Um irgendetwas Sinnvolles erreichen zu können, müssen wir unser Leben bewahren. Wir Tibeter sind nur wenige, also ist auch jedes Leben für die Sache Tibets von Wert. Obwohl die Situation schwierig ist, müssen wir lange leben und stark bleiben, ohne den Blick für unsere langfristigen Ziele zu verlieren. Wie Seine Heiligkeit der Dalai Lama gesagt hat, sollte sich die chinesische Führung den wahren Gründen für diese tragischen Vorfälle stellen. Solche drastischen Taten haben ihre Ursache in den verzweifelten Umständen, unter den die Tibeter leben müssen. Eine rücksichtslose Reaktion wird die Dinge nur verschlimmern. Wo Furcht ist, dort kann kein Vertrauen sein. Seine Heiligkeit der Dalai Lama hat unterstrichen, dass die Anwendung von Gewalt kontraproduktiv ist; unterdrückerische Massnahmen können niemals Einheit und Stabilität schaffen. Ich stimme mit ihm überein,dass die chinesische Führung ernsthaft ihre Politik gegenüber den Tibetern und anderen Minderheiten überprüfen muss. Ich appelliere an diejenigen auf der ganzen Welt, die im Sinne des Rechts denken und Freiheit lieben, uns zu folgen und die Unterdrückung in den Klöstern in Tibet zu verurteilen, insbesondere in den tibetischen Regionen in Sichuan. Gleichzeitig appelliere ich an die chinesische Regierung, die legitimen Forderungen der Tibeter nach einem ernsthaften Dialog mit ihnen zu folgen, anstatt auf brutale Weise zu versuchen, sie zum Schweigen zu bringen.
Weil die Tibetfrage Wahrheit und Gerechtigkeit betrifft, haben Menschen keine Furcht, ihr Leben aufzugeben, aber ich bitte die Menschen in Tibet, ihr Leben zu wahren und andere, konstruktive Wege zu finden, um für die Sache Tibets einzutreten. Es ist mein Herzenswunsch, dass die Mönche und Nonnen, in der Tat alle Menschen in Tibet, lange leben mögen, frei von Furcht, in Frieden und Glück.

Ogyen Trinley  Dorje17th Gyalwang Karmapa

Donnerstag, 3. November 2011

Klopfen und Hämmern

Es hämmert und klopft über unseren Köpfen. Nachdem der Besitzer unseres Hauses- der in New York lebt- die Fotos seines Hauses gesehen hat (die wir nach dem Monsun geschickt haben), ging es nicht mehr als drei Tage und ein Freund der Familie mit einem Architekt kam auf Besuch. Nun wird das Dach repariert und Monsun tüchtig gemacht. Wir sind sehr dankbar, werden diese Reparaturen nun vorgenommen- wir waren nicht mehr so sicher wie dieses Haus sonst einen 4ten Monsun überlebt hätte...
Wie so häufig, kam dann letzte Woche alles zusammen, so haben wir ein Hämmern und Klopfen auf dem Dach und das Wasser wollte für drei Tage grad auch nicht mehr kommen. Jedoch langsam gewöhnt, dass Indien immer wieder neue Überraschungen bereit hat, machten wir uns ans Wasserschleppen und mussten zugeben, dass ein bisschen Bewegung für unsere Körper eigentlich doch sehr gut ist. Wir waren dann aber doch nicht so traurig, als die Wasserröhren geflickt und somit das Wasser wieder aus dem Wasserhahn floss.
Weiter durften wir letzte Woche Gelongma Jampa Sangmo zu uns auf Besuch haben. Venerable Jampa war eine der Nonnen, die ich noch vor meiner Ordination kennen lernen durfte. Sie war dann in Thösamling anwesend, als ich dihttp://www.blogger.com/img/blank.gifeses grosse Glück hatte, die Rabjung Ordination (Ordination vor der Novizinnenordination) zu nehmen. Noch als ich in Thösamling studierte, reiste sie für eine Weile zurück nach Europa, ist nun jedoch wieder für eine Zeit im Lande.
Venerable Jampa half uns einen Praxistext tiefer zu verstehen und bei Mexikanischen Bohnen mit Reis und Gemüse tauschten wir unsere Erfahrungen der letzten Monate, ja fast Jahre, aus.
Nächstes Wochenende sollte dann unsere Ältere, die Ehrwürdige Damchö-la hier in Dharamsala ankommen, nachdem sie ein Projekt in der USA beenden konnte und ganz viele neue in verschiedenen Ländern ins Rollen brachte. Wer Spanisch spricht, kann auf der folgenden Webseite einige dieser Projekte gleich selber anschauen:http://www.facebuda.com/
So viel im Moment aus der Dharmadattā Nonnengemeinschaft...

Mittwoch, 2. November 2011

Blinder Glaube

In den nächsten Monaten möchte ich gerne jeden Monat einen Rat aus dem Buch "Die Zukunft ist Jetzt" hier auf den Blog laden.
Der 17th Gyalwang Karmapa Ogyen Trinley Dorje teilt in diesem Buch zeitgenössische Ratschläge mit uns, wie jeder einzelne von uns eine harmonischere und mitfühlendere Zukunft mitgestalten kann.

In etwas zu vertrauen, ohne klar zu sehen ob es hilfreich ist oder nicht, ist blinder Glaube.
Er behindert die Entwicklung der Weisheit.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Wärmende Worte besiegten den bissigen Wind

An einem unerwartet kaltem Tag begannen die zweitägigen Unterweisungen Seiner Heiligkeit Dalai Lama im Namgyal Tempel in Mc Leod Ganj.
Ein bissiger Wind blies durch das bunt gemischte Publikum aus aller Welt, die Herzen jedoch, wurden erwärmt mit den klaren, mitfühlenden, weisen Worten von Seiner Heiligkeit.
Wie es Seine Heiligkeit meist zu tun pflegte, begann er auch diesmal mit einer allgemeinen Einführung. Darin erklärte er uns, dass ebenso wie man nicht sagen kann, welche Medizin die beste ist, da dies ganz von der Krankheit des Patienten abhängt, so gibt es auch keine endgültige Antwort, welche Religion die beste ist, da je nach Veranlagung des einzelnen Menschen mehr die eine oder andere Religion hilfreich ist. Darum ist es sehr wichtig, dass wir die verschiedenen Religionen respektieren, jedoch das Vertrauen in unsere eigene Religion kultivieren.
Weiter machte Seine Heiligkeit deutlich, wie jede Religion das Kultivieren von Mitgefühl, Liebe, Zufriedenheit, Genügsamkeit, Ehrlichkeit als einen Teil ihrer Praxis ansieht und so ist es offensichtlich, dass die Kriege, ökonomischen Krisen und viele andere Probleme in der Welt entstehen, weil die Leute nicht wirklich ihre Religion praktizieren.
Der Dalai Lama bemerkte, dass es ihm lieber ist, jemand ist ein warmherziger Mensch, ehrlich, zufrieden und mitfühlend, sieht sich jedoch nicht zu einer Religion dazugehörig, als jemand der sich religiös nennt, jedoch in seinem Handeln korrupt ist. Um ein guter Mensch zu sein und glücklicheres Leben zu leben, braucht man nicht einer Religion zu folgen, wenn man jedoch sagt, man folgt einer Religion, dann sollte man sie auch ernsthaft praktizieren.

Seine Heiligkeit führte uns dann in die Buddhistischen Lehren des „Einsgerichteten Verweilen“ (Shamata) und „Tiefer Einsicht“ (Vipasyana) ein. Am zweiten Tag schien die Wärme und Klarheit der Worte des Dalai Lamas auch alle äusseren dicken, kalten Wolken zum verschwinden zu bringen und in unheimlicher Klarheit kamen Vorhimalaya-Bergen zum Vorschein.

Wer die Unterweisungen auf gerne ganz hören möchte (auf Englisch) kann sie hier herunterladen.

Samstag, 15. Oktober 2011

Live Webcast der „Mind and Life“ Konferenz


Ab dem Montag 17. Oktober bis 22. Oktober wird in Dharmamsala die „Mind and Life“-
Konferenz statt finden zu den Themen Ökologie, Ethik und wechselseitige Abhängigkeit.Wer immer sich interessiert kann sich auf http://dalailama.com/liveweb einklinken

Die Vorträge werden auf Englisch sein.

Freude und Mitfreude

Heilsames Tun ist das was nicht nur in diesem Leben, jedoch in vielen zukünftigen Leben Glück bringen wird. Somit ist es wunderbar zu sehen, wie sich andere in heilsamen Tun engagieren. Wenn wir sehen wie andere einen Bettler etwas zu Essen geben, wenn wir sehen wie jemandem einer alten Frau über die Strasse hilft, wenn wir hören wie grosse Spenden für die Flutopfer gesammelt wurden, wenn wir sehen dass sich andere bemühen heilsame Geisteshaltungen wie Liebe und Mitgefühlt zu kultivieren, wenn wir sehen wie Lehrer, wie der Dalai Lama, so viele Menschen zu heilsamen Tun bewegt, wenn wir hören wie Menschen sich für nachhaltige ganzheitliche Bildung, Ökologie, Medizin etc. engagieren, wenn wir erkennen, dass wir einmal nicht mit Wut jedoch mit Mitgefühl auf eine Situation reagiert haben,etc., etc., dies sind viele Gründe, mit der grossen Freude in unserem Herzen im Kontakt zu sein, da all dies ein Schritt zum Weltfrieden beiträgt. Es sind diese Handlungen, die mehr in den Nachrichten kommen sollten. Leider sind wir häufig fixiert auf das was schlecht läuft, was nicht so ist wie wir uns das vorstellen, in uns selber und um uns herum und überhaupt in der Welt.
Wenn wir jedoch genau hinschauen, dann können wir erkennen, dass ein wahrlich freudvoller, mitfreudiger Herz-Geist sich zufrieden und glücklich anfühlt und so auch ganz leicht zu weiterem heilsamen Tun bewegen lässt, wenn wir jedoch nur das Negative sehen und unserem meckernden Geist glauben schenken, fühlen wir uns weder zufrieden noch bringen wir Freude zu unserem Umfeld, im Gegenteil, ganz leicht bringen wir unsere miesepetrige Stimmung in einer unheilsame Handlung zum Ausdruck in dem wir z.B. schlecht über den Nachbarn sprechen, uns über die Unordnung in der Küche aufregen oder irgend eine äussere Ablenkung zur Hilfe nehmen, damit wir unsere eigene miese Stimmung nicht mehr anschauen müssen.

Eigentlich eine so einfach Praxis und doch vergessen wir sie so leicht… wenn wir uns jedoch vornehmen, ganz bewusst jeden Tag uns für mindestens 10 min einfach über all das Gute in einem selbst und in der Welt zu freuen, dann wird dies nicht nur uns Glück bringen, jedoch auch die Mitmenschen um uns herum werden angesteckt durch unsere Freude. Lama Yeshe soll den Rat gegeben haben, sich in eine Hängematte zu legen und einfach darüber nachzudenken, was alles wunderbares Menschen auf dieser Erde kultivieren und vollbringen.
Viel Freude beim Ausprobieren!

Freitag, 16. September 2011

Zuflucht

Im Retreat beschäftigte ich mich etwas ausführlicher mit dem Thema der Zuflucht. Aus diesem Grund möchte ich gerne ein paar Gedanken zu diesem Thema mit euch teilen.

Zuflucht nehmen ist uns eigentlich sehr vertraut. Wir nehmen den lieben langen Tag in alles Mögliche Zuflucht. Sei es in ein gutes Essen, eine Tasse Kaffee, eine Freundin, einen Kinofilm etc. etc. Warum nehmen wir überhaupt Zuflucht? Weil wir alle glücklich sein und nicht leiden wollen.

Wenn wir die Begrenzungen dieser Zufluchtsobjekte erkennen, sind sie kein Problem. Ein Problem- d. h. mehr Verwirrung und somit mehr leiden- haben wir dann, wenn wir denken, dass diese Zufluchtsobjekte uns endgültiges, immerwährendes Glück bringen. Dieses immerwährende Glück ist ja das, was wir alle so gerne hätten und seit langer, langer Zeit unermüdlich danach streben. Eben dieses Glück in diesen so flüchtigen Zufluchtobjekten zu finden ist nun wirklich nicht realistisch und das können wir sehr schnell erkennen, wenn wir unsere Erfahrungen betrachten Werden wir wirklich glücklicher, je mehr Kaffee wir trinken? Wie lange hält die Freude über einen guten Geschmack in unserem Gaumen an? Können unsere Freunde oder unser Haus uns wirklich vor allen Gefahren schützen und all unsere Leiden beseitigen.

Wirklich Zuflucht nehmen, in etwas das uns beschützen kann, das uns als Beispiel dient,wie wir und dass wir die positiven Qualitäten nähren und die leid -bringenden Mustern reduzieren können, das uns hilft, tiefe Hingabe zu entwickeln, uns die Tür öffnet zu unserem innersten Potenzial und auf das wir immer, in jeder Situation- auch auf dem Sterbebett- zugreifen können, dies ist ein Zufluchtsobjekt das unsere Ängste nehmen und uns wirklich weiterbringen kann- über den Tod hinaus.

Je nach religiösem und/oder philosophischen Hintergrund, kann dieses Zufluchtobjekt verschiedene Namen tragen, in ihrer Funktion sind sie jedoch sehr ähnlich, indem sie in dem Zufluchtnehmenden das Gefühl von Schutz, Verbundenheit, Hingabe und tiefem Vertrauen wecken.

Im Buddhismus wird einerseits die äussere Zuflucht erklärt,die aus den drei Juwelen- dem Buddha, dem Dharma, und dem Sangha- bestehet. Jedoch wird darauf aufmerksam gemacht, dass wir diese drei Juwelen genauso in uns selbst finden können und somit das Potenzial haben, selbst diese unermesslichen Qualitäten der drei Juwelen in uns zu erwecken, zu kultivieren und zum Erwachen zu bringen.
In dem Sinne nehmen wir einerseits Zuflucht zu dem, was uns hilft, immer mehr in die Berührung mit unserem innewohnenden Zufluchtsort zu kommen. Der Buddha, der selbst zu diesem höchsten Potenzial erwachte, gibt uns ein Beispiel, was das Potenzial unseres eigenen Herzensgeistes ist. Der Dharma, erklärt den Weg, wie wir dieses Potenzial verwirklichen können und der Sangha, ist die edle Gemeinschaft die uns unterstützt auf diesem Weg der Transformation.

Somit geht es „bei der Zufluchtnahme nicht um ein religiöses Bekenntnis“ wie Fred Von Allmen in seinem Buch „Buddhismus“ (das ich sehr empfehlen kann) schreibt, „sondern um eine Auseinandersetzung mit der Frage nach dem, was in diesem unberechenbaren Dasein Schutz bietet und worauf tatsächlich Verlass ist.“

Dies ein paar Gedanken von mir. Wer gerne mehr zu diesem Thema von verschiedenen Buddhistischen Meisterinnen und Meistern lesen möchte, hier ein paar links:
Gyalwang Karmapa Orgyen Trinley Dorje (Deutsch)
Jetsuna Tenzin Palmo (Deutsch)
Khenpo Karthar Rinpoche(Englisch)
Verschiedene westliche Lehrerinnen und Lehrer, youTube (Englisch)

Sonntag, 4. September 2011

Dankbarkeit und Wolkensuppe

Mit unglaublich grosser Dankbarkeit tauchen wir aus diesen zwei Monaten wertvoller Rückzugszeit auf. Es ist ein grosses Geschenk, dass wir uns ganz und gar dem Hören, Reflektieren und Meditieren des wertvollen Buddhadharma widmen durften. Uns ist sehr bewusst, dass dies nur möglich war dank der Unterstützung vieler Personen.
Angefangen bei all den Leuten, die unsere Gemeinschaft auf verschiedenste Weise unterstützen, bis zu der Schweizernonne, die uns jede Woche frisches Gemüse und Früchte brachte, oder die koreanische Nonne, die uns einen gefüllten Gastank organisierte, bis zu all den Menschen und Lebewesen, die es möglich machen, dass wir jeden Tag zu essen, ein Dach über den Kopf, Medizin und Kleidung haben. Mögen die Verdienste dieser Rückzugszeit das Herz aller mit Freude erfüllen.

Innehalten, in die Stille gehen und sich jeden Tag die verschiedenen Mittel aneignen, welche Buddha offerierte, um unseren Geist mehr und mehr kennenzulernen und mit der direkten Anwendung gleich selbst Erfahrungen sammeln welche Gegenmittel für welche störenden Emotionen (Sanskrit; „Klesha“, wie Aversion, Habsucht, Eifersucht, Stolz …) helfen. Die Kleshas können wir als störende Emotionen erkennen, in dem sie uns den Frieden des Geistes rauben. Sie stehlen unseren Gleichmut, unsere Freude, unser Mitgefühl und besetzen uns mit dieser grossen, dicken Wolke leidbringenden Emotionen mit all seinen Geschichten. Zum Glück hat uns Buddha gelehrt, dass diese Kleshas mit Wolken zu vergleichen, jedoch nicht der Himmel, das heisst nicht die Natur unseres Geistes sind. Somit ist da immer ein klarer, blauer Himmel, mit dem wir uns verbinden können. Wenn sich unser vertrauen in diesen klaren Himmel vertieft, kann es auch ein paar Tage bewölkt und grau sein (was im Monsun hier so ziemlich der Alltag sein kann … (C:) und es ist nicht gleich ein Weltuntergang. Somit hat sich das Monsunwetter sehr geeignet, um die verschiedenen Formen und Grautöne der Wolkensuppe zu studieren, jedoch auch um in die Präsenz des klaren Himmels immer wieder in uns wach zu rufen.


Sonntag, 14. August 2011

Buddhas Lächeln in Sommeri

Das erste Wochenende, in dem ich im Frühling in der Schweiz war, traf zusammen mit einem nicht grad regelmässigen Event im Haus meiner Eltern in Sommeri: Meine Mutter Parami öffnete für ein Wochenende ihr Atelier. Die Organisation Fünfstern hat es möglich gemacht das Künstlerinnen und Künstler aus dem Thurgau, Appenzell und St. Gallen an einem gewissen Wochenende ihr Atelier öffneten. Eine wunderbare Möglichkeit, bei der ich einmal mehr die wunderbaren Werke in Stein und Bilder meiner Mutter betrachten konnte, zusammen mit den Augen der vielen Besuchern, die vorbeikamen.

Viele Formen und Farben, welche die zwei Räume füllten und unsere Herzen berührten, sind Inspirationen aus der Natur und aus der Tiefe der spirituellen Praxis meiner Mutter. Gleich beim Eingang des Gartentors lächelte uns die grüne Tara entgegen, der Bodhisattva steht beschützend im Garten während Buddha das Wohnzimmer mit seiner tiefen stillen Präsenz erfüllt.

Als Sita Ute Volmerg in einem Interview für Buddhismus aktuell (4/08) Parami interviewte stellte sie folgende Frage: „Parami, du bist freischaffende Künstlerin und gestaltest Buddhaskulpturen in Stein und Bronze. Dein letzter, 84 cm hoher Amithaba-Buddha aus Cristallina-Marmor hat mich tief im Herzen bewegt. Er hat einen ganz speziellen Ausdruck von Liebe, Innigkeit und Berührtheit, an den ich mich immer wieder erinnern kann. So stelle ich mir vor, muss man mit Buddhas meditieren. Sie führen einem direkt nach innen, zum Wesentlichen: zu einer eigenen, tiefen Herzensberührung. Wie kannst du überhaupt so etwas machen?“
Parami: „Mein tiefes Interesse gilt der Frage: Woher kommt das Lächeln? Ich konnte erahnen, dass dies von innen her verstanden werden muss, damit es nach aussen wirken kann. Das ist ein Geheimnis und, um das zu erforschen, praktiziere ich. Sicher kommt mir dann auch das Handwerk zugute, bei dem ich gelernt hab, harten Stein zu einer pulsierenden Form zu gestalten, um das Innere im Äusseren auszudrücken.“

Wie Parami im gleichen Interview erklärte finden die meisten ihrer Werke ihren Weg zu ihren neuen Besitzern und so konnte die grüne Tara im Juni ihren neuen Platz im Garten des Dharmazentrums in Zollikon einnehmen, gebührend empfangen von freudvollen, singenden Taras.

Ich bin sehr berührt, wie Parami ihre weichen, herzberührenden Formen in dieser tiefen Jahrtausend alten spirituellen Weisheit verwurzelt und sie dennoch einen neuen westlichen Ausdruck manifestieren. Dadurch holen uns ihre Buddhas und Bodhisattvas ganz direkt hier und jetzt ab und verbinden und mit dieser tiefen Tradition der Transformation.

Ich schreibe dies in grosser Dankbarkeit über die vielen wunderbare Wege, wie das innere Lächeln des Buddha Menschen berühren und inspirieren kann

Montag, 1. August 2011

Ein Wunsch für die Welt

Voller Freude hörte und las ich im Mai von dem „Meschenstrom gegen Atomstrom“ und davon inspiriert möchte ich das Wunschgebet für die Welt von Gyalwang Karmapa weitergben, Möge es uns mit unserem tiefsten Wunsch für und unsere Verantwortung gegenüber uns selbst, gegenüber allen fühlenden Wesen und gegenüber der Welt, in Verbindung bringen.


Oh Welt, die ganze Kette unsere Leben, unsere Tode,
Alle Dramen unserer Freuden und Leiden spielen sich ab in Deinem Schoss.
Von jeher bist Du unsere Heimat.
Für immer lieben und bewahren wir Dich.
Wir wünschen: Werde zum reinen Gefilde unserer Träume,
Zu einer Welt, frei von Vorurteil, in der alle Wesen gleich sind.
Wir wünschen, Dich in eine liebevolle, warmherzige und sanfte Göttin zu verwandeln.
Unsere Hoffnung, die wir in Dich setzen, ist auf ewig fest.
Sei der Grund, auf dem wir alle leben können.
Zeige Du uns nicht die dunkle Seite Deines Wesens, wo nur Willkür herrscht;
Wir werden Dich, bis auf den letzten Winkel, in ein fruchtbares Feld von Frieden und Sanftmut verwandeln.
Mit der millionenfachen Ernte von Freude und Glück und mit dem süssen Duft der Freiheit
Seien unsere unermesslichen Hoffnungen erfüllt.


(Verfasst von Gyalwang Karmapa im Jahre 2005. Deutsche Uebersetzung aus dem tibetischen von Jobst Koss und Dorothee Koss-Gehlen)

Auf der Webseite von buddhanetz kann die Liste der 108 Dinge heruntergeladen werden, die eine Inspiration sein können, wie jede und jeder von uns täglich etwas für die Umwelt beitragen kann.

Freitag, 15. Juli 2011

Das Herz, das das ganze Universum umfasst

Während dem Retreat werden wir mit unserem Herzen mit so vielen Menschen und anderen fühlenden Wesen verbunden sein- eigentlich sind wir das ja immer, die Stille jedoch, gibt uns die Gelegenheit dies noch mehr zu spüren und auch mit logischen Überlegungen nachzuvollziehen.

In den buddhistischen Lehren ist erklärt, dass wir seit anfangsloser Zeit in den verschiedensten Formen wiedergeboren wurden. Die Materie, das heisst der jeweilige Körper, in dem wir wiedergeboren werden, lassen wir nach einer gewissen Zeitspanne hinter uns, der Geist jedoch kann seine Ursache nicht in der Materie haben und demzufolge geht der Geist weiter, - getrieben von dem Resultat seiner früheren Handlungen sucht er eine neue Form.
Aus dieser Überlegung heraus ist es sehr logisch, dass wir unendlich viele Eltern gehabt haben, egal in was für einer Form- wir hatten Eltern. Somit können wir sicher sein, dass jedem fühlenden Wesen dem wir begegnen, sich irgendwann mal um uns gesorgt hat, genau wie die Eltern von diesem Leben.
Die Mutter, der Vater oder in gewissen Fällen vielleicht eine Tante oder Grossmutter- wir hatten mind. eine Person in diesem Leben, die uns aufgezogen hat, die grosse Leiden und Entbehrungen unseretwegen auf sich nahm, die uns zur Welt brachte, die uns Essen gab, die uns Kleider kaufte, die uns die ersten Wörter beibrachte, die uns an der Hand nahm, die unsere Ausbildungen unterstütze und uns all ihre Liebe und Fürsorge gab.
Wenn wir tief darüber nachdenken, was es für eine unglaubliche Güte von unseren Eltern oder Ersatzeltern war, sich so um uns zu kümmern, dann entsteht dieser grosse Wunsch, dass wir alles tun wollen, damit sie wirklich glücklich sind.
Dann, wenn wir diesen Wunsch entwickeln für unsere Eltern in diesem Leben und erkennen, dass jedes fühlende Wesen mal unsere Eltern waren, können wir uns mit dem Wunsch verbinden, dass alle fühlenden Wesen glücklich sein mögen.

Mit diesem Wunsch im Herzen können wir zur Arbeit gehen, setzen wir uns nieder für die formale Praxis, kochen wir, bemühen wir uns, mit Körper, Rede und Geist heilsame Handlungen auszuführen um somit die Ursache schaffen, dass wir irgendwann wirklich fähig sein werden, unsere gütigen Eltern; alle fühlenden Wesen, zum höchsten Glück zu führen.

Dienstag, 28. Juni 2011

Munteres Gemeinschaftsleben und kostbare Stille

Mehr als einen Monat konnten wir unser Gemeinschaftsleben zu viert leben und formen. Vieles gab es zu diskutieren und neu zu strukturieren, zu erzählen und erleben. Neu haben wir nun auch den unteren Stock unseres Hauses mieten können, was uns einen zusätzlichen Schlafraum, einen grösseren Meditationsraum und Platz für all unsere Bücher gibt.
Neue formelle Praxismethoden wurden begonnen, der Tagesplan wurde nochmals überarbeitet, viel wurde geputzt und neu organisiert. Alles in allem haben wir das Gefühl von Aufbruch und Weiterfahrt in einem, was uns allen viel Freude bereitet und die gemeinsamen Visionen nährt und vertieft.

Seit dem 19.Juni ist nun unsere Ältere, Damchö-la, auf ihrer alljährlichen kleinen Weltentour. Nach einer Konferenz in Taiwan, einem Buchprojekt in Kalifornien, Retreat in Mexico etc. wird sie anfangs September wieder zurückkommen.
Wir drei werden uns am Ende dieses Monates für zwei Monate in die Stille zurückziehen und uns ganz der kontemplativen und meditativen Praxis widmen.

Möge alles Glück verheissend sein!

Der grosse Vorteil mit dieser Technik-, auch wenn wir drei im Schweigen sein werden, kann der Blog munter weiter schwatzen...- so werde ich ein paar schon lange wartende Berichte hochladen, die ihr während den nächsten zwei Monaten geniessen könnt.

Sonntag, 19. Juni 2011

Glorreicher Tag!!!

Am 19. Juni, vor 26 Jahren, wurde ein Knabe in eine Nomadenfamilie in Tibet, unter vielen glückverheissenden Zeichen, geboren. "Der Vater erzählte:'Am Tag vor der Niederkunft, nach Sonnenuntergang und bei trockenem Wetter, umgab ein kreisförmiger Regenbogen das Zelt. Ich habe noch nie nach Sonnenuntergang einen Regenbogen gesehen.' Ausserdem liess sich ein junger Kuckuck auf der Zeltstange nieder und sang besonders schön. Als der Vater dies hörte und sah, erkannte er, dass es ein besonderes Zeichen des Königs der Vögel war, als welcher der Kuckuck in Tibet gilt.
Seine Heiligkeit kam in der Morgendämmerung zur Welt, und seine Haut war sehr, sehr weiss. Drei Tage nach der Geburt erklang laut und deutlich der Ton eines Muschelhorns, der von allen Bewohnern der Tals vernommmen wurde, und noch andere Musikinstrumente, darunter Hörner und Zimbeln, ertönten. Diese Musik erklang etwa anderthalb Stunden lang sehr laut. Alle haben es gehört. Es war, als ob sämtliche Schutzgottheiten das Banner der Furchtlosigkeit erhoben hätten. Der Vater sagte: 'Ich empfand eine unendliche Freude, und mir war klar, dass der Junge kein gewöhnliches Wesen war, sondern jemand, der für den Buddha-Dharma und für alle fühlenden Wesen von grossem Wert sein würde.'" (Auszug aus dem Bericht von Ashang Lodrö aus dem Buch "Lebender Buddha" von Clemens Kuby- das Buch zum grossartigen Film mit gleichem Titel)

Dies ein kleiner Bericht, wie unser wertvoller Lehrer, der 17. Gyalwang Karmapa geboren wurde. Grosse Freude begleitet uns heute- dem Geburtstag eines so glorreichen Meisters, der sein Leben vollkommen dem Wohl uns aller fühlenden Wesen widmet. Möge Gyalwang Karmapa lange, lange Leben!

Sonntag, 12. Juni 2011

Heldinnen und Helden von heute

Zusammen mit ihrer Freundin- einer Professorin von der Redland University in Kalifornien- hatte unsere Ältere Venerable Damchö-la eine Idee… Wie wunderbar wäre es doch, wenn diese so zeitgenössischen Lehren von Gyalwang Karmapa auch die Herzen junger - nicht unbedingt buddhistischer - Menschen berühren könnte. Damit genau die Fragen beantwortet werden, welche junge Leute heutzutage haben, müssen sie aber auch diejenigen sein, die die Fragen stellen können.

Dieses Jahr im Mai durften wir ganz nahe miterleben, wie diese Idee sich manifestieren durfte. Für drei Wochen quartierten sich 16 junge Menschen, die Professorin Karen Derris und eine Begleitperson in den Gästehäusern in unserer Nachbarschaft ein. Bis zu 13 Mal hatte diese Gruppe von Kalifornien diese wunderbare Gelegenheit ihre sehr gut vorbereiteten Fragen zu 10 Themen wie Umwelt, sinnvolle Lebensweise, Gleichberechtigung der Geschlechter, Konfliktlösung, nachhaltiges Mitgefühl etc. diesem grossartigen, weisen tibetischen Meister zu stellen. Diese aussergewöhnlichen Konversationen werden in einem Buch veröffentlicht werden.

Da wir die Möglichkeit hatten, den unteren Stock von dem Haus, in dem wir leben, neu dazuzumieten, hatten die Studentinnen und Studenten einen Raum, in dem sie die Gespräche mit Gyalwang Karmapa vorbereiteten und verarbeiteten, in dem sie gemeinsam Essen (eine Tibeterin aus der Nachbarschaft kochte jeden Tag für die Gruppe) und zusammen sein konnten.

Manchmal, wenn die Gruppe so voller Freude und inspiriert von den Gesprächen mit Gyalwang Karmapa zurückkamen, sassen wir dazu und liessen uns inspirieren und berühren von diesen so tiefgründigen Antworten, welche die Studenten und Studentinnen, Damchö- la und Prof. Karen mit uns teilten.

Hier ein kleiner Geschmack von den Sätzen, die mir hängen blieben:

Gyalwang Karmapa erzählte den Studentinnen und Studenten, wie er in seinem privaten Zimmer die Schriften von jeder grossen Weltreligion hat. Manchmal nimmt er eine in seine Hände mit dem Gedanken und dem Wunschgebet, dass so viele Menschen in dieser Welt auf diese Schrift vertrauen, um inneres Glück und inneren Frieden zu finden, mögen sie dieses Glück und diesen Frieden darin finden.

In einem anderen Zusammenhang sprach Gyalwang Karmapa davon, was eine wirkliche Heldin/wirklicher Held ist: Es ist jemand mit edlem Verhalten und edlen Aspirationen.

Einen Rat den Gyalwang Karmapa gab, wie man selbst, von heute an, sich für die Umwelt engagieren kann, ist, indem man Vegetarierin oder Vegetarier wird. Mit diesem Schritt wird nicht nur viel Leiden auf dieser Welt reduziert, sondern auch diese ganze Futterindustrie, die sehr schädlich ist, für das ganze Ökosystem.

Als die Studentinnen und Studenten mit Gyalwang Karmapa über die Konfliktlösung und Vertrauen sprach, erklärte er, dass wirklicher Vertrauen seine Wurzeln in der bedingungslosen Liebe hat.

Wer noch mehr lesen will, direkt von den Studentinnen und Studenten selber, derjenigen/demjenigen würde ich den Blog http://www.karmapaconversations.blogspot.com/ unbedingt empfehlen.

Samstag, 21. Mai 2011

Wir haben die Wahl

Wir können uns entscheiden,
ob wir recht haben oder inneren Frieden haben wollen,
ob wir recht haben oder glücklich sein wollen.

(Wie viel mal durch den Tag ertappen wir unseren Geist bei grossartigen Diskussionen; wie wir doch eigentlich recht haben und im Recht sind und überhaupt, warum verstehen die anderen einfach nicht was richtig ist? Und was würde wohl passieren, wenn wir diese Gedankenmühlen einfach mal unterbrechen und den jetztigen Moment geniessen würden...)

Sonntag, 15. Mai 2011

Wo ist es, das Glück?

Kaum zurück in dem immer heisser werdenden Indien, wurde ich mit einer wunderbaren Unterweisung beschenkt, die Gyalwang Karmapa uns (das heisst, vor allem Inder und Inderinnen, einigen Tibeter und Tibeterinnen und westlichen Schülerinnen und Schüler) in Delhi offerierte.

Gyalwang Karmapa präsentierte in seiner so wunderbaren Frische, Klarheit und zugleich unglaublicher Tiefe den Dharma. Einen kleinen Auszug:
Es gibt viele verschiedene Wege und Methoden, wie wir fühlende Wesen zum Glück führen und vom Leiden befreien können. Die einen kommen von einer spirituellen Tradition und die anderen nicht. Jedoch ist es wichtig, dass wir sie alle verstehen und respektieren, da jede Methode einen Weg für eine Person mit einer gewissen Einstellung und Veranlagung offerieren kann.
Wie auch immer herrscht doch sehr oft Verwirrung über die Natur des Glücks.
Die Dinge, die wir als Glück betrachten- das Glück alltäglicher Erfahrungen- ist verunreinigtes Glück, in dem Sinne, dass es unter dem Einfluss des Leidens der Veränderung steht und somit zu vergleichen ist mit der Erleichterung, die wir verspüren, wenn wir eine schwere Ladung von unseren Schultern nehmen. Es ist das vollendete Erwachen, das wirkliches Glück ist. Einige Leute suchen Glück in äusseren Dingen, dies ist jedoch nicht bleibendes Glück. Wenn wir zum Beispiel ein neues Auto kaufen, kann dies uns für ein paar Tage ein Gefühl von Glück und Freude geben jedoch dann lassen diese Gefühle immer mehr nach. Somit bringen wir das Gefühl von vorübergehender Freude mit dem wirklichen Glück durcheinander. Oder wenn wir eine Party schmeissen, fischen oder wandern gehen. Auch hier ist das Gefühl von Glück zeitlich begrenzt, da es von äusseren Bedingungen abhängig ist. Deshalb sollten wir unsere Intelligenz brauchen und untersuchen, was den zu wirklichem Glück führt. Durch diese Untersuchung werden wir entdecken, dass um glücklich zu sein und um natürliches, müheloses Glück zu entwickeln müssen wir nach innen schauen. Zum Beispiel, wenn wir meditieren fühlen wir uns friedlich, da es wie ein nach Hause kommen ist, unser Geist ist entspannt, nicht besorgt über die Zukunft oder Vergangenheit jedoch fokussiert im jetzigen Moment. Dieser Zustand ist nicht abhängig von äusseren Bedingungen. Wie auch immer, da es für uns nicht möglich ist, den ganzen Tag in meditativer Konzentration zu weilen - wir sind ja sehr beschäftigte Leute – brauchen wir Methoden die wir in unserem alltägliches Leben anwenden können. In der Essenz heisst das, dass wir achtsam und bewusst bleiben sollten, in was immer wir auch machen und den analytischen Teil von unserem Geist beobachten lassen, was in unserem Geist erscheint. Am Ende von unserem Tag können wir uns fragen: „Was habe ich heute gemacht?“
Auch wenn wir nur für gewisse Zeiten oder Aktivitäten in einem Tag achtsam und bewusst sein können, wird dies unser Leben bedeutungsvoll machen.

Mittwoch, 27. April 2011

Friedensarbeit

Überall auf dieser Welt braucht es unsere Wunschgebete, unsere tiefe Verpflichtung für den Frieden und unser Mitgefühl. Mit einer Kerze, die wir jeden Tag anzünden mit einem Gebet, Gedicht, Lied für den Frieden auf dieser Welt können wir in Kontakt sein mit all den Menschen die im Moment durch so grosses Leiden gehen müssen, wie in Japan, Tibet, China etc. und all die Menschen um uns herum, die wir leiden sehen. Mögen wir uns verpflichten, in diesem Leben das Gute und Heilsame in unserem Geist zu nähren und das Leid bringende in unserem Geist zu reduzieren und somit kontinuierlich für den Frieden auf dieser Welt arbeiten.

In Tibet ist die Situation nach wie vor sehr angespannt und nach all den Unruhen in dem Kirti Kloster (sie Bericht weiter unten) sind gestern hier in Dharamsala Mönche für einen Friedensmarsch nach Delhi aufgebrochen (dauert ca. eine Woche).

"Peking - Nach einer Razzia der chinesischen Polizei in einem tibetischen Kloster sind bei Zusammenstößen zwischen Dorfbewohnern und Sicherheitskräften zwei Menschen getötet worden, wie eine Aktivistenorganisation am Samstag erklärte. Die Polizei riegelte das Kloster Kirti dem Bericht zufolge am Donnerstagabend ab und schränkte die Bewegungsfreiheit seiner 2.500 Bewohner ein. Anschließend brachte die Polizei laut der in den USA ansässigen Internationalen Kampagne für Tibet 300 Mönche an einen unbekannten Ort.
Dorfbewohner versuchten, den Abtransport der Mönche zu verhindern. Dabei seien ein 60 Jahre alter Mann und eine 65 Jahre alte Frau getötet worden. Die Gegend sei seither für Besucher von außerhalb gesperrt. Die Lage im Kloster Kirti ist seit dem von China niedergeschlagenen Aufstand der Tibeter vor drei Jahren angespannt. Am 16. März verbrannte sich ein 21 Jahre alter Mönch auf einer Straße in der Nähe von Kirti aus Protest gegen die rigide Kontrolle des tibetischen Buddhismus seitens der Behörden.

Die Angaben der Internationalen Kampagne für Tibet konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. In der Vergangenheit erwiesen sich ihre Berichte als zuverlässig."

Sonntag, 17. April 2011

Blütenpracht und freudvolles Wiedersehen

Drei Wochen waren es im Ganzen, in denen ich nach fast drei Jahren nun wiedermal Schweizerluft schnupperte. Neben einer Zeit voller Blütenpracht im Aussen war es ein Fest der Blütenpracht im Herzen. Eine wunderbar fliessende Zeit mit vielen schönen Begegnungen, spannenden Gesprächen und freudvollem Wiedersehen.
Unterschlupf für diese drei Wochen fand ich bei meinen Eltern in einem kleinen Bauerndorf in der Ostschweiz. Sehr unterstützend und liebevoll wurde ich umsorgt und es war uns möglich in einem Fliessen von gemeinsamen Aktivitäten, Austausch, Empfangen von Gästen, Arbeit und Rückzug einfach zu sein. Wie wunderbar!
An zwei Sonntagen und auch zu anderen Gelegenheiten konnte ich mit einer kurzen „Slideshow“ einen Geschmack von unserem Nonnenleben hier in Indien mitgeben und daraus sind sehr viele spannende Fragen und Gespräche entstanden.
Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für das Erleben dieser Zeit, für all die Leute, mit denen ich in Kontakt sein durfte und darf. Möge jeder dieser Begegnung die Blüten der inneren Freude und tiefen Zufriedenheit zum Blühen bringen.

Samstag, 2. April 2011

Wir alle wollen glücklich sein!

Vom 10. bis 20. März haben wir uns im Pullhari mit Shine (einsgerichtetes Verweilen), der Gleichheit von einem selbst und anderen und dem Austausch von Selbst und Anderen gewidmet und in der Meditationen vertieft.

Eine Aussage von Drupon Khenpo zur Gleichheit von ich und anderen möchte ich hier gerne teilen:
„Wenn wir jemandem gegenüber stehen, können wir tagelang darüber diskutieren wer „ich“ ist und wer der/die „andere“ ist. Da es jedoch nur eine relative Aussage ist, die einfach vom Standpunkt abhöngig ist, bringt uns diese Dikussion überhaupt nicht weiter. Was wirklich zählt ist die Erkenntnis, dass wir alle- alle Lebewesen- genau gleich sind, indem wir Glück haben und Leiden vermeiden wollen.“

Nun freue ich mich hier, bei meinem Besuch in der Schweiz, diese wunderbaren Unterweisungen in die Praxis umzusetzen- manchmal mehr erfolgreich und manchmal weniger- jedoch jeden Tag voller Freude, wieder neue Möglichkeiten zum Üben zu haben.

Mittwoch, 9. März 2011

Sich für eine ernsthafte Diskussion hinsetzen

Wie im Flug sind diese zwei unglaublich intensiven, wertvollen, reichen Studienmonate vergangen und gestern ist nun auch unser 10-Tages-Retreat zu Ende gegangen.

Als einen weiteren (etwas mehr ausführlichen als die letzten zwei Einträge) Geschmack aus unseren Studienzeit möchte ich hier einen kleinen Auszug aus den Belehrung weitergeben:


Die Natur unseres Geistes ist Klarheit und Bewusstsein. Drei Faktoren spielen eine wesentliche Rolle, welche unseren Geist aus seinem natürlichen Frieden stört und unter die Macht der verblendeten Emotionen (wie Gier, Wut, Stolz, Eifersucht etc.) bringt

1. Äussere Objekte/Personen/Situationen welche unsere „Knöpfe“ der Kleshas (verblendeten Emotionen) drücken
2. Unsere falsche Sichtweise, welche diese Objekte/Personen und Situationen permanent, wirklich inhärent existierend und eigenständig existierend betrachtet
3. Unsere gewohnten Muster, welche genährt, vertieft und gefördert werden seit anfangsloser Zeit

Die äusseren Objekte, Personen und Situationen können wir nicht einfach alle zum verschwinden bringen oder alle so formen, wie wir das gerne hätten (- obwohl wir dies immer wieder versuchen, jedoch immer wieder erfahren müssen, dass dies auf lange dauer nicht funktioniert). Auch ist es uns nicht möglich einfach so, von einem Tag auf den anderen, alle unseren gewohnten Muster loszuwerden.
Somit ist die falsche Sichtweise der Faktor and dem wir wirklich gerade jetzt arbeiten können um unsere verblendeten Emotionen zu verringern und unseren friedlichen Geist zurückzugewinnen.
Jedoch bringt es nicht sehr viel wenn wir unsere falsche Sichtweise/ unsere Ignoranz einfach loshaben wollen, noch wenn wir sie einfach ignorieren. Was wir machen können ist uns mit unserer Ignoranz für ernsthafte Diskussionen hinzusetzen.
Wenn wir zum Beispiel häufig wütend sind, dann ist es gut, sich mal hinzusetzen und sich zu fragen von wo diese Wut denn wirklich kommt, welche Sichtweise wir kultivieren, wenn wir wütend sind, wie wir das Objekt unserer Wut betrachten wenn wir wütend sind und wie wir es betrachten wenn wir nicht wütend sind. Somit können wir langsam etwas klarer erkennen, dass das Objekt der Wut nicht inhärent schlecht sein kann, da es sogar von mir selbst oder von anderen Personen in anderen Situationen nicht ein Objekt der Wut ist. Falls das Objekt der Wut inhärent schlecht wäre, dann müssten es alle Personen auf dieser Welt als schlecht betrachten. Weiter können wir erkennen wie unglaublich fest und permanent wir in einem Moment der Wut die Dinge wahrnehmen, jedoch aus etwas Distanz betrachtet können wir sehen wir wechselhaft und veränderliche die Dinge sind. Somit gibt es viele Argumente die wir mit dem Geist immer und immer wieder durchgehen müssen um diese falschen Sichtweisen mehr und mehr zu verringern und damit unsere Weisheit mehr und mehr durchscheinen zu lassen. Weisheit bedeutet, dass wir die Dinge so wahrzunehmen wie sie sind, als vergänglich, entstanden und vergangen durch Ursachen und Umstände und somit frei von inhärenter Existenz. Wenn wir dies erkennen, können sich auch unsere gewohnten leidbringenden Muster eine heilsame Richtung annehmen und somit kann unser Geist mehr frieden finden und glücklicher sein. Wenn dann die äusseren Objekte/Personen oder Situationen versuchen unsere „Knöpfe“ zu drücken haben wir den Frieden nicht gleich zu reagieren da wir erkennen, dass ein alter Film ablauft, der seine Attraktivität verloren hat.
Jedoch bis wir diesen inneren Gleichmut verinnerlicht haben, ist es unser Job immer und immer wieder zu erkennen, was es wirklich ist das uns und anderen immer und immer wieder Leiden verursacht und auf Grund dessen mit dem verblendeten Geist zu diskutieren.

Drupon Khenpo gab uns deutlich zu verstehen, dass diese Diskussionen mit dem Geist besser dann statt finden, wenn wir nicht grad voll und ganz im Strudel unserer verblendeten Emotionen sitzen. Ein guter Moment jedoch ist, wenn wir etwas ruhiger sind aber den Schmerz und den Unfrieden der verblendeten Emotionen verspüren und somit wirklich aus den alten Reaktionsmustern ausbrechen zu wollen.

Montag, 7. März 2011

Direkt uebers Netz

Wähernd wir hier in Nepal weilen und bald fuer zehn Tage ins Retreat gehen, wird unser kostbarer Lehrer Gyalwang Karmapa in Indien, Sarnath, Belehrungen geben zum Thema "Wie kann man eine gute Person werden, und den Wunsch haben, anderen zu nutzen?".

Vom 9. bis 12. März werden diese Lehren auch diesmal übers Internet übertragen- auch mit deutscher und englischer Uebersetzung. Wer immer Zeit und Lust etwas von diesen wundervollen Lehren zu kosten, kann dies tun auf der Webseite www.karmapa-teachings.org von 11.30 bis 13.30 Uhr (mittel europaeische Zeit).

Montag, 21. Februar 2011

Zum Nachdenken; Tropfen der Weisheit

Tilopa sagte zu Naropa:
"Sohn, es sind nicht die Erscheinungen, jedoch unsere Anhaftung (an die Erscheinungen)die uns fesseln. Durchtrenne alle Anhaftungen, Naropa!"

Montag, 14. Februar 2011

Das Leiden tief verstehen

Ein Zitat von Dharmakirti:
"Wenn du verstehst, dass alles vergänglich ist,
dann verstehst du das Leiden,
wenn du das Leiden verstehst,
dann verstehst du,
dass kein inherentes Selbst existiert."

Mittwoch, 2. Februar 2011

Kontinuierliche Gartenarbeit

Nun schon vier Wochen freuen wir uns sechs Tage die Woche an unbeschreiblichen, unendlich tiefen Dharmabelehrungen, Lorik (Wissenschaft des Geistes)- klassen, die unsere Köpfe zum Rauchen bringen und tibetische Klasse, die dafür sorgt, dass wir die tibetische Grammatik vielleicht doch mal noch verstehen werden…

Als einen kleinen Geschmack möchte ich heute eine kurze Zusammenfassung meiner Notizen des ersten Tages aus den Dharmalehren mit Drupon Khenpo weitergeben:

Es ist wichtig, dass wir auf korrekte Weise dem Dharma zuhören, anderenfalls laufen wir in die Gefahr, dass sich unsere Kleshas (verblendeten Emotionen) verstärken, anstatt sich zu verringern. Korrektes Zuhören, beinhaltet vollkommen reine Motivation und ein vollkommen reines Verhalten. Heute werden wir uns darauf konzentrieren, was mit „vollkommen reiner Motivation“ gemeint ist. Vollkommen reine Motivation ist erklärt als die Bodhichitta- Motivation: Die Motivation den Dharmalehren zuzuhören, und über sie zu reflektieren und zu meditieren zum Nutzen aller Wesen.
Anhand dreier Merkmale können wir messen was eine gute Motivation beinhaltet.
1. wie vielen Wesen einbezogen werden (eine, zwei etc.)
2. wie gross der Nutzen ist, von dem was wir den Wesen geben moechten (Essen, Wolldecken, spirituelle Nahrung…)
3. und wie lange der Nutzen andauert (eine Minute, Stunde, Jahre…)
Da die Bodhichitta-Motivation alle Wesen einbezieht, alle Mittel offeriert, damit jedes Wesen höchstes Erwachen erlangen kann und dieser Nutzen ununterbrochen fliesst, bis alle Wesen aus dem Kreislauf des Leidens befreit sind- wird dies als die grösste Motivation bezeichnet.

Das Bodhichitta ist frei von jeglicher Selbstbezogenheit und widmet sich ausschliesslich dem Wohl anderer, und dadurch indirekt dem Wohl von einem selber. Bodhichitta ist die Haltung des Geistes die jede Handlung von Körper, Rede und Geist in etwas Heilsames transformieren kann. Dieses Vertrauen in Bodhichitta ist sehr wichtig, um dieses grossartige Motivation zu entwickeln. Sobald sich dieses Vertrauen in uns verstärkt hat und wir versuchen Bodhichitta zu entwickeln erkennen wir jedoch, dass dies nicht so einfach ist- und dann ist es sehr, sehr wichtig dass wir uns nicht entmutigen lassen. Solange das spontane Bodhichitta nicht einfach muehelos aus unserem Herzen fliesst, stuetzen wir uns auf die Worte der Wunschgebete und naehren somit kontinuierlich den Boden, damit unser Samen des Bodhichitta spriessen und wachsen und irgendwann die Fruechte des muehlosen altruistischen Herzen von vielen Wesen genossen werden kann.

Freitag, 14. Januar 2011

Viele Geschenke

Wer schon einmal in Bodhgaya war, kann vielleicht nachvollziehen, was für ein unglaublicher Segen es ist, nach fast einem Monat Bodhgaya an einem Ort anzukommen, an dem die Luft klar und frisch ist, an dem die Stille nur von bellenden Hunden und zwitschernden Vögel unterbrochen wird, an dem niemand etwas von einem will und man ganz entspannt durch die Gegend schreiten kann, an dem gefiltertes Wasser bereitsteht und frisches sauberes Essen gekocht wird … Jaaa, es ist ein grosses Geschenk wieder hier in Pullahari zu sein.
Und das grösste aller Geschenke: sechs Tage die Woche, zwei Stunden Dharmabelehrungen von Drupon Khenpo Lodro Namgial dieses Jahr zum Text: Andornment of the Middle Way, Shantarakshita’s Madhyamakalankara mit dem Kommentar von Jamgön Mipham.Des Weiteren noch zwei Stunden Philosophie Klasse mit Khenpo Chökiy und zwei Stunden Tibetisch Unterricht.
Dank grosszügiger Unterstützung haben wir auch dieses Jahr dieses unglaubliche Glück uns für gut acht Wochen ganz und gar dem Studium zu widmen.
Es ist unser grosser Wunsch, dass all unsere Hingabe zum Studium hier, zum Nutzen vieler in der Zukunft sein wird.

Freitag, 7. Januar 2011

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Man könnte es nicht besser planen … und da unsere Planung ziemlich chaotisch zu und her ging- mit vielen Verschiebungen- war es für uns all eine noch viel grössere Überraschung wie alles so wunderbar aufging.
Am 31. Dezember, morgens um 3 Uhr fuhren wir von Bodhgaya los. „Wir“ heisst; Nangpel-la, Drölma-la und ich, eine Nonne aus Schweden, und zwei Frauen aus Mexico.
Als sich sechs knurrende Magen meldeten, tauchte weit und breit nichts auf, was wir ohne nachhaltige Konsequenzen zu uns nehmen konnten. Da wir alle nicht so scharf auf neue Käfer in unserem Magen waren, liessen wir uns vom Fahrer überzeugen an einen etwas mehr touristischen Ort zu fahren- und landeten in Kushinagar. So führten uns unsere knurrenden Magen am 31. Dezember zu dem Ort an dem Buddha ins Paranirvana eintauchte- seinen Körper verliess. Sehr eindrücklich, diesen grossen liegenden Buddha zu umkreisen, der uns unweigerlich anregt, über unsere eigene Vergänglichkeit nachzudenken.

Viel später als geplant erreichten wir etwa um 10 Uhr in der Nacht das koreanische Kloster in Lumbini, Nepal. Zum Glück schlafen die Männer, die die Reservierungen managen gleich im Büro und konnten uns mit den Zimmern versorgen.
Somit begannen wir das neue Jahr in Lumbini- der Ort an dem Buddha geboren wurde. Drei Nächte verbrachten wir an diesem wunderbaren Ort, der einlädt mit der grossen Freude und Dankbarkeit über die Geburt des Buddha Shakyamunis in Verbindung zu sein und diese Freude bei dem Besuch der Tempel der verschiedensten buddhistischen Traditionen zu zelebrieren.
Wir waren uns alle einig, dass dies doch ein sehr glückverheissender Start ins neue Jahr ist.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Jenseits der Worte

Glorreich und jenseits aller Worte der Auftakt der 900-Jahres-Feier des ersten Karmapa, tief greifend und so unglaublich hilfreich die Belehrungen des 17. Gyalwang Karmapa Orgyen Trinley Dorje und dann der Mönlam, segensreicher Strom von Wunschgebeten gesprochen bei Hunderten von Mönchen, Nonnen, Laienfrauen und Laienmänner, für den Frieden, Liebe und Freude auf dieser Welt.
Ich denke die Bilder auf den Webseiten kagyuoffice.org und karmapa900.org sagen mehr als alle Worte …